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Zwei Jobs zum Überleben

02. Jan 2008 11:05
Ein Arbeiter passt Leder an
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Immer häufiger müssen Menschen aus Geldnot auch am Abend oder Wochenende schuften. Mittlerweile sind mehr als zwei Millionen Deutsche davon betroffen. Das Geld reicht oft trotzdem nicht.

Sonntags sitzt Robert Krembsler meist schon morgens hinter dem Steuer seines uralten Transporters. Zurzeit ist die erste halbe Stunde kaum auszuhalten; es dauert ewig, bis die launische Heizung das Führerhaus von Raureif und Eiskristallen befreit hat. Wochenende, das bedeutet für den 51-Jährigen aus Heidelberg, sich für seinen zweiten Job fertig zu machen. Er fährt dann Wäsche aus einer Großwäscherei zurück in verschiedene Hotels, ins pfälzische Bad Dürkheim zum Beispiel oder in die hessische Landeshauptsstadt Wiesbaden. Krembsler ist Doppeljobber. Er hat zwei Arbeitsplätze, wie inzwischen mehr als zwei Millionen Deutsche bundesweit. Er braucht zwei Jobs zum Überleben, sagt er. Das Geld aus der Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter in einem kleinen Familienbetrieb, den er die Woche über ausübt, reicht einfach nicht aus.

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Das war nicht immer so: «Es gab Zeiten, da hätte ich nie für möglich gehalten, dass mir so etwas passieren könnte», sagt Krembsler. Bis vor drei Jahren war er Organisationsleiter bei einem der größten deutschen Sanitär-Unternehmen und hatte Verantwortung für sechs Mitarbeiter. Seine Aufgaben: Prozessoptimierung, Aufbau der IT- und Telekommunikationsstruktur, Netzwerkbetreuung, IT-Support, Schulung von Mitarbeitern und vieles mehr. Er half, Vertretungen im Ausland aufzubauen, galt als unverzichtbar. Ein echter Tausendsassa. Vor drei Jahren war dann trotzdem Schluss - aus betriebswirtschaftlichen Gründen, wie es hieß. Seither ist Krembsler auf Standardformulierungen schlecht zu sprechen. Was das Organisationstalent auszeichnet: Er ist ein Kämpfer. Aufgeben ist für ihn keine Option. Obwohl er manchmal allen Grund gehabt hätte, den Kopf hängenzulassen.

250 Bewerbungen hat er verschickt

18 lange Monate war er arbeitslos. Während er, wie er selbst sagt, um die 250 Bewerbungen verschickt hat, hat er von der Bundesagentur für Arbeit (BA) kaum etwas gehört. Einmal schickte man ihm eine Einladung zu einem Seminar: Wie man die Internetseite der BA benutzt. Mittlerweile kann Krembsler darüber lachen. «Die hatten null Ahnung von meinem Profil. Ich habe den Internetauftritt eines Großunternehmens selbst aufgebaut und gestaltet.»

Nun also hat er zwei Jobs, arbeitet mehr als 60 Stunden die Woche und kommt dabei auf etwa 55 Prozent des Lohns vergangener Tage. Er ist nicht der Einzige, dem das so geht. Über 750.000 Männer und Frauen mehr als noch vor vier Jahren haben mittlerweile einen zweiten Job, meldet die BA. Ob aus reiner Not, oder weil sie sich schlicht noch etwas dazu verdienen möchten, will man in Nürnberg nicht beurteilen. «Es ist schließlich sehr subjektiv: Was dem einen ausreicht, reicht dem anderen nicht unbedingt», erklärt eine Sprecherin.

Das Geld reicht nicht aus

Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) wird man hingegen deutlicher: «Für einen großen Teil der Doppeljobber ist es schlichtweg notwendig, einen zusätzlichen Nebenjob zu haben, weil das Geld aus der Haupttätigkeit nicht ausreicht», sagt Annelie Buntenbach, Mitglied des DGB-Bundesvorstands und zuständig für Arbeitsmarktpolitik und Alterssicherung. Buntenbach ist zudem unzufrieden mit den Regelungen für den Nebenverdienst, den sogenannten Minijobs. Denn eine weitere Gruppe von Doppeljobbern benutze den Nebenverdienst als steuerfreies Extra-Taschengeld und gefährde damit zusätzlich reguläre Jobs: «Wir als DGB lehnen dieses Modell ab, weil es Arbeitsplätze für gering Qualifizierte vernichtet», stellt sie klar.

Für Krembsler ist das alles nur Gerede. Er merkt nur eins: Tag für Tag melden die Medien steigende Gewinne der Unternehmen. Tag für Tag hört er von neuen Rekordgehältern im Top-Management. Und seit drei Jahren hört er die Geschichte von einem angeblichen Aufschwung, von dem er selbst allerdings bisher noch nichts mitbekommen hat, im Gegenteil: «Ich arbeite mehr, ich verdiene weniger. Ein toller Aufschwung ist das.» Seine bange Frage: «Wie sieht denn dann der Abschwung aus?» (von Jochen Schönmann, AP)

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