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Praktikums-Prekariat hat das Nomadentum satt

28. Nov 2007 13:13, ergänzt 13:31
Ein Industriemechaniker
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Sie sind motiviert und gut gebildet - und hätten gern einen guten Job. Doch bei vielen jungen Beschäftigten klaffen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander - was auf Dauer der gesamten Gesellschaft schadet.

Arbeitsplatzsicherheit, eine ausreichende und leistungsgerechte Bezahlung sowie Aufstiegschancen im Betrieb – Bedingungen, von denen viele junge Berufstätige nur träumen können. Mehr als jeder zweite unter 30 Jahren hatte in den ersten Jahren seiner kurzen Berufsbiografie mindestens einen befristeten Arbeitsvertrag, wie eine am Mittwoch vorgestellte Jugendstudie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ergab.

Zum Vergleich: Bei den befragten Beschäftigten über 30 hatte nur ein Drittel schon mindestens einen befristeten Job. Zudem müssten Jüngere deutlich häufiger als Ältere mit schlecht bezahlten Jobs vorlieb nehmen, sagte DGB-Vize Ingrid Sehrbrock. Ihre Bilanz der repräsentativen Studie: «Ausgerechnet die nachwachsende Generation zählt zu den Verlierern auf dem Arbeitsmarkt.» Dabei seien sie deutlich besser ausgebildet als Ältere.

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Ein Ergebnis der Untersuchung: Wunsch und Wirklichkeit klaffen deutlich auseinander. Es gab so gut wie keinen Befragten, der ein ausreichendes Einkommen nicht als wichtig bis sehr wichtig befunden hätte – doch 38 Prozent der jüngeren Beschäftigten verdienen der Studie zufolge weniger als 1500 Euro brutto im Monat, trotz Vollzeitarbeit. 15 Prozent der unter 30-Jährigen hatten gar schon einmal einen Zeitarbeitsvertrag.

«Wie sollen junge Erwachsene unter solchen unsicheren Verhältnissen eine Familie planen?» fragt sich DGB-Vize Sehrbrock und verweist darauf, dass in der Studie 95 Prozent der unter 30-Jährigen den Wunsch nach Arbeitsplatzsicherheit geäußert hätten. Auf den unter 30-Jährigen laste ein enormer Druck, so Sehrbrock, «und das in einer alternden Gesellschaft». Kein Wunder: Immer wieder wird die niedrige Geburtenrate in Deutschland beklagt und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefordert.

Doch Sehrbrock fürchtet, dass dies oft nicht mehr ist als ein «Lippenbekenntnis». «Es ist schlicht ein Irrglaube, die Jungen fänden es spannend, heute hier und morgen dort zu arbeiten und quer durch die Republik von Unternehmen zu Unternehmen zu ziehen.» Auch junge Erwachsene wollten mitnichten «moderne Arbeitsnomaden» sein, sagte Sehrbrock – was durchaus nicht als mangelnde Flexibilität zu verstehen sei. «Viele sind flexibel und hoch motiviert, aber nur, wenn sie existenzsichernde Arbeit zu erwarten haben, die nicht krank macht und ihnen Entfaltung, Aufstiegsmöglichkeiten und ein gutes Betriebsklima verspricht.»

Nur elf Prozent finden ihre Arbeit gut

Doch genau das ist offensichtlich in vielen Unternehmen nicht der Fall: «Alarmierend» findet Sehrbrock, dass gerade einmal elf Prozent der befragten Jungen ihren Arbeitsplatz umfassend positiv beschrieben. 59 Prozent bewerteten ihn mittelmäßig, 30 Prozent nannten ihren Job schlecht. 52 Prozent der befragten Jungen fühlen sich nach der Arbeit zudem leer und ausgebrannt.

Mehr als jeder Zweite vermisse eine Anerkennung für seine erbrachte Leistung. Damit einher gehe eine mangelnde Identifikation mit dem Unternehmen, schiulderte Jessica Heyser von der DGB-Jugend, die zusammen mit Sehrbrock die Ergebnisse der Studie im Detail vorstellte: 57 Prozent der Befragten empfanden es als fremdes Gefühl, sich mit dem Betrieb verbunden zu fühlen. «Dabei profitieren doch beide – Arbeitgeber und Beschäftigter – von guter Arbeit und einer Verbundenheit mit dem Unternehmen», ergänzte Sehrbrock.

«Viele akzeptieren die schlechten Bedingungen»

Angesichts solcher Zahlen wundert sich Sehrbrock nicht darüber, dass im vergangenen Jahr die Auswanderungsquote unter den Jüngeren am höchsten war. «Die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel, aber tut zu wenig dafür, die jungen Leute im Land zu halten», kritisierte die DGB-Vize.

Gleichwohl würde lediglich ein knappes Drittel den Arbeitgeber sofort wechseln. Nach Einschätzung Sehrbrocks steckt hinter der relativ niedrigen Quote der Wechselwilligen die Sorge, nach einer Kündigung keinen angemessenen Job zu finden. «Viele akzeptieren einfach die schlechten Bedingungen und arrangieren sich damit.»

Ingrid Sehrbrock
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Doch rund die Hälfte glaubt nicht, unter den jetzigen Arbeitsanforderungen bis zur Rente durchhalten zu können. Deshalb müssten Politik und Wirtschaft dringend umsteuern, forderte Sehrbrock. Zeitarbeit und befristete Arbeitsverhältnisse müssten eingedämmt werden. Zudem fordert der DGB einen gesetzlichen Anspruch auf Übernahme, wenn im Unternehmen Arbeitskräftebedarf besteht.

Minijobs sollten ebenfalls beschränkt und nicht länger staatlich subventioniert werden. Der DGB mahnt zudem die Gleichstellung von Männern und Frauen bei Bezahlung wie Aufstiegschancen an. Ferner bekräftigte Sehrbrock die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn nicht unter 7,50 Euro.

«Meilenweit entfernt»

Der DGB hat zudem der «Generation Praktikum» den Kampf angesagt: «Praktika müssen ein Lernverhältnis sein und dürfen keine reguläre Arbeit ersetzen», verlangte Sehrbrock. Deshalb müssten gesetzliche Regelungen her, dass Praktika nach einem Hochschulabschluss angemessen entlohnt und auf maximal drei Monate befristet werden. Dem schloss sich die Linkspartei an: Notwendig seien gesetzliche Regelungen, «um den wachsenden Missbrauch von Praktika als verschleierte Arbeitsverhältnisse» zu stoppen, verlangte Nele Hirsch, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion. Junge Berufstätige müssten endlich gute Arbeitsbedingungen vorfinden. «Die Daten des DGB zeigen: Hiervon sind wir meilenweit entfernt.»

Bei allem Pessimismus, der aus der Studie durchschimmert, sieht DGB-Vize Sehrbrock in der Befragung auch einen Hoffnungsschimmer: «Was uns positiv überrascht hat, ist die hohe Bereitschaft der jungen Leute, sich für bessere Bedingungen zu engagieren.» Das zeige, dass junge Arbeitnehmer weder gleichgültig sind noch resigniert haben.

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