Praktikums-Prekariat hat das Nomadentum satt
Zum Vergleich: Bei den befragten Beschäftigten über 30 hatte nur ein Drittel schon mindestens einen befristeten Job. Zudem müssten Jüngere deutlich häufiger als Ältere mit schlecht bezahlten Jobs vorlieb nehmen, sagte DGB-Vize Ingrid Sehrbrock. Ihre Bilanz der repräsentativen Studie: «Ausgerechnet die nachwachsende Generation zählt zu den Verlierern auf dem Arbeitsmarkt.» Dabei seien sie deutlich besser ausgebildet als Ältere.
«Wie sollen junge Erwachsene unter solchen unsicheren Verhältnissen eine Familie planen?» fragt sich DGB-Vize Sehrbrock und verweist darauf, dass in der Studie 95 Prozent der unter 30-Jährigen den Wunsch nach Arbeitsplatzsicherheit geäußert hätten. Auf den unter 30-Jährigen laste ein enormer Druck, so Sehrbrock, «und das in einer alternden Gesellschaft». Kein Wunder: Immer wieder wird die niedrige Geburtenrate in Deutschland beklagt und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefordert.
Doch Sehrbrock fürchtet, dass dies oft nicht mehr ist als ein «Lippenbekenntnis». «Es ist schlicht ein Irrglaube, die Jungen fänden es spannend, heute hier und morgen dort zu arbeiten und quer durch die Republik von Unternehmen zu Unternehmen zu ziehen.» Auch junge Erwachsene wollten mitnichten «moderne Arbeitsnomaden» sein, sagte Sehrbrock was durchaus nicht als mangelnde Flexibilität zu verstehen sei. «Viele sind flexibel und hoch motiviert, aber nur, wenn sie existenzsichernde Arbeit zu erwarten haben, die nicht krank macht und ihnen Entfaltung, Aufstiegsmöglichkeiten und ein gutes Betriebsklima verspricht.»
Mehr als jeder Zweite vermisse eine Anerkennung für seine erbrachte Leistung. Damit einher gehe eine mangelnde Identifikation mit dem Unternehmen, schiulderte Jessica Heyser von der DGB-Jugend, die zusammen mit Sehrbrock die Ergebnisse der Studie im Detail vorstellte: 57 Prozent der Befragten empfanden es als fremdes Gefühl, sich mit dem Betrieb verbunden zu fühlen. «Dabei profitieren doch beide Arbeitgeber und Beschäftigter von guter Arbeit und einer Verbundenheit mit dem Unternehmen», ergänzte Sehrbrock.
Gleichwohl würde lediglich ein knappes Drittel den Arbeitgeber sofort wechseln. Nach Einschätzung Sehrbrocks steckt hinter der relativ niedrigen Quote der Wechselwilligen die Sorge, nach einer Kündigung keinen angemessenen Job zu finden. «Viele akzeptieren einfach die schlechten Bedingungen und arrangieren sich damit.»
Minijobs sollten ebenfalls beschränkt und nicht länger staatlich subventioniert werden. Der DGB mahnt zudem die Gleichstellung von Männern und Frauen bei Bezahlung wie Aufstiegschancen an. Ferner bekräftigte Sehrbrock die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn nicht unter 7,50 Euro.
Bei allem Pessimismus, der aus der Studie durchschimmert, sieht DGB-Vize Sehrbrock in der Befragung auch einen Hoffnungsschimmer: «Was uns positiv überrascht hat, ist die hohe Bereitschaft der jungen Leute, sich für bessere Bedingungen zu engagieren.» Das zeige, dass junge Arbeitnehmer weder gleichgültig sind noch resigniert haben.
Für das Web ediert von Matthias Breitinger

