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Union blockiert Post-Mindestlohn

02. Nov 2007 19:21
Von der Union verlassen: Arbeitsminister Müntefering
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Der für Briefzusteller ausgehandelte Tariflohn soll zum Mindestlohn der Branche werden. Doch seitdem die Post-Konkurrenz protestierte, dominieren Zahlenspiele die Debatte.

Der Dauerstreit in der Koalition stellt die für Anfang 2008 vereinbarte Einführung des Post-Mindestlohnes erheblich in Frage. Der Konflikt eskalierte am Freitag, unmittelbar vor dem Treffen der Koalitionsspitzen am Sonntag. Die Union kündigte an, sie werde die notwendige Erweiterung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes in der kommenden Woche im Bundestag nicht verabschieden.

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Eine Lösung des Konflikts wird auch dadurch erschwert, dass Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) «aus familiären Gründen» seine Teilnahme an dem Treffen im Kanzleramt absagen musste. Der hat einen Entwurf über die Erweiterung des Entsendegesetzes um die Branche der Briefdienstleister mittlerweile erstellen lassen. Dies ist Voraussetzung für einen branchen-verbindlichen Mindestlohn. Die Verordnung umfasse «nur Arbeitnehmer, die mit der Beförderung (Einsammeln, Weiterleiten oder Ausliefern) von Briefsendungen für Dritte beschäftigt sind», zitiert die Nachrichtenagentur dpa aus dem Entwurf.

Hintergrund:
Das Statistische Bundesamt zählte Ende September 2005 im Wirtschaftszweig Post einschließlich Zeitungs-, Paket- und Kurierdiensten 414.600 Beschäftigte, ohne Beamte 360.600. Die Agentur rechnet vor, dass von dem vereinbarten Tarifvertrag nur 173.000 Beschäftigte erfasst wären, ohne Beamte 119.000.
Laut der Bundesnetzagentur erfasst der von der Post federführend ausgehandelte Mindestlohntarifvertrag nur zwischen 33 und 42 Prozent der Briefdienst- Beschäftigten. Wenn die vereinbarten Lohnuntergrenzen von 8,00 bis 9,80 Euro für die Branche verbindlich sein sollen, müssen sie für mehr als die Hälfte der Beschäftigten gelten. Diese Löhne kritisieren die neuen Post-Konkurrenten als zu hoch. Sie sehen sich damit im Wettbewerb benachteiligt und wollen einen eigenen Tarifvertrag.

Aus Sicht der SPD ergibt sich eine Zahl von 190.000 Beschäftigten in der Branche. Von dem ausgehandelten Tarifvertrag sind 119.000 Mitarbeiter betroffenen, also wären 63 Prozent davon.

Mit ihrer Veto-Drohung widersetzt sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion dem Willen des Vizekanzlers. Hintergrund ist ein Streit darüber, ob die Kriterien für den Mindestlohn erfüllt sind. Die sehen vor, dass ein Tarifabschluss mindestens die Hälfte der Beschäftigten einer Branche betreffen muss, bevor er im Entsendegesetz als Mindestlohn festgeschrieben werden darf. Die Union bezweifelt, dass die Bedingungen erfüllt sind. «Wir können nicht über das Entsendegesetz abstimmen, weil die Voraussetzungen für einen Mindestlohn in der Postbranche nicht vorliegen», sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer (CDU). Die Beteiligten sollten sich noch einmal an einen Tisch setzen.

SPD-Fraktionschef Peter Struck forderte die Union eindringlich auf, sich an die Verabredungen zu halten. Es stehe «die Verlässlichkeit der Kanzlerin auf dem Spiel.» Bei der Kabinettsklausur im August habe es «klare Zusagen» seitens der Union zum Post-Mindestlohn gegeben. «Daher ist die Verhinderungstaktik des Koalitionspartners inakzeptabel.»

Der zwischen dem von der Post dominierten Arbeitgeberverband Postdienste und drei Gewerkschaften mit Verdi an der Spitze ausgehandelte Mindestlohntarifvertrag sieht (nach Ost und West differenzierte) Lohnuntergrenzen zwischen 8,00 und 9,80 Euro vor. Diese sollen zum 1. Januar 2008 für die gesamte Branche verbindlich sein. Dies dürfte aber nur gelingen, wenn der Bundestag die Erweiterung des Entsendegesetzes bis spätestens Mitte November beschließt.

Weiter erschwert die Einigung, dass die Arbeitgeber der Postkonkurrenten, den für die Post-Mitarbeiter ausgehandelten Tarifvertrag für existenzgefährdend halten. Sie wollen einen eigenen Tarifvertrag. Die Arbeitsgemeinschaft für Wettbewerb im Postmarkt, boten den Gewerkschaften «die sofortige Aufnahme von Verhandlungen» an. Das Angebot zielt darauf, niedrigere Mindestlöhne als die bereits vereinbarten zu erreichen.

Verdi wies das Angebot erwartungsgemäß zurück. Es gebe für seine Gewerkschaft keinen Grund, «einen anderen Tarifvertrag abzuschließen». Müntefering wies darauf hin, dass bei den Postkonkurrenten sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze «eher die Ausnahme» seien. (nz/AP/dpa)

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