Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

SPD rügt «Scheingefechte» um Post-Mindestlohn

01. Nov 2007 16:15
Für Briefträger soll künftig ein Mindestlohn gelten - aber welcher?
Bild vergrößern
Die SPD sieht die Große Koalition wegen des Streits um den Post-Mindestlohn in Gefahr. Die Union bezweifelt indes, dass es Sachzwänge zur Einführung am 1. Januar 2008 gebe.

Der Streit zwischen SPD und Union über den Mindestlohn bei Briefzustellern gefährdet nach Ansicht des SPD-Arbeitsmarktexperten Klaus Brandner den Fortbestand der Großen Koalition. «Viele in der Union spielen an diesem Punkt mit dem Feuer. Das kann zum Spaltpilz im Regierungsbündnis werden», sagte der arbeitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion der «Saarbrücker Zeitung».

Mehr in der Netzeitung:
Voraussetzung für die Liberalisierung des Briefmarktes ab Januar sei gewesen, dass es zu Mindestlöhnen komme. «Diese Vereinbarung will die Union jetzt offenbar brechen», klagte Brandner. Der Zwist gefährdet zudem den von Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) ausgegebenen Zeitplan. Der Wirtschaftsflügel der CDU/CSU-Fraktion beharrte am Donnerstag auf neuen Tarifverhandlungen, bevor der ausgehandelte Mindestlohn für allgemein verbindlich erklärt wird.

Hintergrund: Zahlenspiele
Das Statistische Bundesamt zählte Ende September 2005 im Wirtschaftszweig Post einschließlich Zeitungs-, Paket- und Kurierdiensten 414.600 Beschäftigte, ohne Beamte 360.600. Die Agentur rechnet vor, dass von dem vereinbarten Tarifvertrag nur 173.000 Beschäftigte erfasst wären, ohne Beamte 119.000.

Laut der Bundesnetzagentur erfasst der von der Post federführend ausgehandelte Mindestlohntarifvertrag nur zwischen 33 und 42 Prozent der Briefdienst- Beschäftigten. Wenn die vereinbarten Lohnuntergrenzen von 8,00 bis 9,80 Euro für die Branche verbindlich sein sollen, müssen sie für mehr als die Hälfte der Beschäftigten gelten. Diese Löhne kritisieren die neuen Post-Konkurrenten als zu hoch. Sie sehen sich damit im Wettbewerb benachteiligt und wollen einen eigenen Tarifvertrag.

Aus Sicht der SPD ergibt sich eine Zahl von 190.000 Beschäftigten in der Branche. Von dem ausgehandelten Tarifvertrag sind 119.000 Mitarbeiter betroffenen, das wären 63 Prozent davon.

Nach dem Willen Münteferings soll ab Januar 2008 ein Post-Mindestlohn gelten. Dann tritt auch die Liberalisierung des Postmarktes in Kraft. In der nächsten Woche soll deshalb der Bundestag mit den abschließenden Beratungen befasst werden; am 30. November soll der Bundesrat beraten.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen, sagte aber der «Financial Times Deutschland»: «Es besteht kein Sachzwang, den Mindestlohn zum 1. Januar 2008 einzuführen.» Die SPD konstruiere einen «politischen Zwang, den wir nicht akzeptieren», sagte Röttgen. SPD-Fraktionschef Peter Struck warf in demselben Blatt der Union daraufhin «Scheingefechte» vor. Er erinnerte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an ihre Zusage. «Da kann sie sich nicht rausschleichen», warnte Struck.

Zwischen Union und SPD ist ein Disput darüber entbrannt, ob das vereinbarte 50-Prozent-Kriterium erfüllt ist. Ein Tarifvertrag kann für allgemein verbindlich erklärt werden, wenn er mehr als 50 Prozent der Beschäftigten der Branche umfasst. Struck sieht das Kriterium als erfüllt an, Röttgen bezweifelte das.

Hintergrund: Post-Mindestlohn
Der Mindestlohn, der für allgemein verbindlich erklärt werden soll, ist der zwischen dem durch die Deutsche Post dominierten Arbeitgeberverband Postdienst und der Gewerkschaft Verdi vereinbarte. Dieser liegt zwischen 8,00 und 9,80 Euro. An den Verhandlungen waren Konkurrenten wie TNT und Pin AG nicht beteiligt – sie halten eine Lohnuntergrenze von höchstens 6,00 bis 7,50 Euro für vertretbar und warnen vor dem Wegfall von 50.000 Arbeitsplätzen.
Der mittelstandspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Michael Fuchs, sagte im ARD-«Morgenmagazin», die Post solle sich mit ihren Mitbewerbern an einen Tisch setzen und einen für alle tragbaren Tarifvertrag aushandeln. Er habe dann keine Probleme damit, dass ein solcher Tarifvertrag in das Entsendegesetz aufgenommen werde.

Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer warf den Unions-Abgeordneten in einem «blauen» Brief vor, sie wollten nach Wegen suchen, die Einführung von Mindestlöhnen im Postbereich zu verhindern. Das geplante Gesetz solle nicht geprüft, sondern «zerprüft» werden. Wenn das Briefmonopol zum 1. Januar 2008 ausläuft müsse aber sichergestellt sein, dass der Wettbewerb nicht über Dumpinglöhne ausgetragen werde. «Deshalb ist eine zügige Gesetzesberatung erforderlich», schrieb sie. (nz/AP)

Anzeige: 

NZ-Stellenmarkt

Die größte Stellensuchmaschine mit über 300.000 Angeboten: Nutzen Sie den Stellenmarkt und finden Sie Ihren Job. weiter
 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.