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Längeres ALG I für Union nicht mehrheitsfähig

05. Okt 2007 07:38
Union will Arbeitslosengeld für Ältere nicht verlängern
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Obwohl die CDU auf einem Parteitag einst etwas anderes beschloss, steht die Mehrheit der Unionsfraktion hinter den Hartz-Reformen. Die SPD schert das wenig.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sieht in den Koalitionsfraktionen keine Mehrheit für eine verlängerte Auszahlung des Arbeitslosengeldes I. «In beiden Fraktionen möchte eine Mehrheit die Reformen nicht korrigieren - zumal die, die das wollen, nicht sagen können, wie es zu finanzieren wäre», sagte er dem «Kölner Stadt-Anzeiger».

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Mit Blick auf den Beschluss der eigenen Partei für eine längere Auszahlung sagte Bosbach, in den vergangenen Monaten habe er in der Bundestagsfraktion keine Rolle gespielt. Zudem werde eine Verwirklichung aller Voraussicht nach die jüngeren Arbeitslosen treffen, weil man bei ihnen einsparen müsse, was man älteren Arbeitslosen mehr gebe. Das allerdings sei nicht wünschenswert. Dagegen forderte CDU-Präsidiumsmitglied Friedbert Pflüger seine Partei in der «Berliner Zeitung» auf, die verlängerte Zahlung von ALG I noch in dieser Wahlperiode auf die Tagesordnung der Koalition zu setzen.

Hintergrund:
Das Arbeitslosengeld I war im Zuge der Reform-Agenda 2010 der rot-grünen Bundesregierung von maximal 32 auf im Regelfall zwölf Monate gekürzt worden. Über 55-Jährige erhalten es bis zu 18 Monate.

SPD-Chef Beck will Beschäftigten ab einem Alter von 45 Jahren künftig 15 Monate lang Arbeitslosengeld I zahlen. Vom 50. Lebensjahr an soll es maximal 24 Monate lang ALG- Leistungen geben. Beck will den Plan Ende Oktober auf dem Hamburger Parteitag zur Abstimmung stellen. Trotzdem sie dabei sparen könnten, sind die Kommunen dagegen. Auch die Union sieht derzeit keine Koalitionsmehrheit für Becks Plan.

Das auf dem Dresdner Parteitag beschlossene CDU-Modell sieht vor, dass Versicherte mit mehr als 15 Beitragsjahren Anspruch auf bis zu 15 Monate Leistungsbezug haben, 25 Jahre reichen für bis zu 18 Monate. Bei mindestens 40 Beitragsjahren sind bis zu 24 möglich. Damit würden jedoch 55-Jährige im Gegensatz zu heute nicht nach drei, sondern erst nach 25 Beitragsjahren ein verlängertes Arbeitslosengeld von 18 Monate erhalten.

Die SPD will nach den Worten von Parteichef Kurt Beck die verlängerten Zahlungen des ALG I für Ältere durch Überschüsse der Bundesanstalt für Arbeit finanzieren. Die Kosten dafür beliefen sich auf 800 Millionen Euro, schrieb Beck am Donnerstag an die SPD-Mitglieder. Trotzdem sollten wie geplant zum 1. Januar 2008 die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung auf 3,9 Prozent abgesenkt werden.

Beck erhält in seiner Partei breite Zustimmung für seinen Vorstoß, die Bezugsdauer zu verlängern. Nach Ansicht des SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Niedersachsen, Wolfgang Jüttner, schärft der Vorstoß «das sozialdemokratische Profil genau an der richtigen Stelle». Die fünf norddeutschen SPD-Landesverbände unterstützen eine Weiterentwicklung der Reform-«Agenda 2010». In einer Mitteilung der SPD-Vorsitzenden von Niedersachsen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein hieß es: «Wir haben die Reform der Sozialsysteme immer bejaht, allerdings auf eine stärkere soziale Ausgewogenheit der Agendas 2010 gedrängt.»

Es sei eine ständige Überprüfung der Bezugssätze für die Empfänger von Hartz IV und Sozialhilfe notwendig, um ein Abrutschen in die Armut zu verhindern, fordern die fünf Verbände. Außerdem solle die Situation älterer Arbeitsloser durch längere Zahlung des Arbeitslosengeldes verbessert werden. Flexible Rentenzugänge müssten ermöglicht werden und der Missbrauch der Leiharbeit bekämpft werden.

Experten kritisch

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast betonte in der «Leipziger Volkszeitung», die «Agenda 2010» sei in ihrem Kern richtig. «Wir brauchen keine Rolle rückwärts«, sagte Künast. Statt einer Debatte um das Arbeitslosengeld I, brauche es »einen neuen Agenda-Aufbruch«.

Linksparteichef Oskar Lafontaine sieht in den Plänen einen Beleg für die Stärke seiner eigenen Partei, die die Reformen seit ihrer Gründung als unsozial bekämpft. Die SPD nehme zur Kenntnis, dass sie mit der Politik der Agenda 2010 gescheitert sei, sagte Lafontaine der »Leipziger Volkszeitung«.

Wirtschaftsexperten sehen Becks Plan kritisch. Darunter der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, der eine verlängerte Zahldauer für ältere Arbeitslose ungerecht findet. Im Berliner «Tagesspiegel» warnte er vor «gravierenden Folgen für alle Beteiligten».

Ältere Arbeitslose würden wieder länger ohne Arbeit sein, es werde wieder leichter für Betriebe, sich von ihnen zu Lasten der Arbeitslosenversicherung zu trennen. (nz/dpa)

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