01. Okt 2007 12:39
Seit Hartz IV können Betriebe bei der Einstellung von Arbeitslosen geringere Löhne durchsetzen. Doch nicht nur bei der Bezahlung sind erwerbslose Bewerber zu mehr Kompromissen bereit.
Ein niedrigerer Lohn sei vor allem im Baugewerbe sowie bei Banken und Versicherungen akzeptiert worden, konstatieren die Arbeitsmarktexperten. Aber auch bei den Arbeitsbedingungen und Qualifikationsniveau sind erwerbslose Bewerber zu mehr Kompromissen bereit. An der Befragung beteiligten sich in den Jahren 2005 und 2006 etwa 23.500 Unternehmen.Durch die höhere Kompromissbereitschaft sei es Betrieben vor allem gelungen, Mitarbeiter für schwer besetzbare Stellen zu finden, hieß es weiter. Zudem hätten Unternehmen häufiger neue Arbeitsplätze für gering entlohnte Tätigkeiten geschaffen.
Seit der Einführung von Hartz IV beobachtet etwa ein Fünftel der befragten Firmen, dass sich Bewerber immer öfter auch um inadäquate Arbeitsplätze bemühen. Gemessen an den Anforderungen der zu besetzenden Position waren sie häufiger über- oder unterqualifiziert. Dies trifft vor allem in den Bereichen Handel, Gastronomie und Verkehr sowie im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe zu.
Außerdem würden sich Arbeitslose zunehmend auf eigene Initiative bewerben. 22 Prozent der befragten Firmen berichteten, dass sie öfter als früher Initiativbewerbungen erhalten. Vor allem die mittleren und großen Betriebe verzeichneten Zuwächse.
Jeder dritte Betrieb mit Neueinstellungen sehe einen Zusammenhang zwischen Hartz IV und den Änderungen im Bewerberverhalten, hieß es. «Die Hartz-IV-Reform hat damit den Beschäftigungsaufbau positiv flankiert», schreiben die Autorinnen der IAB-Studie, Anja Kettner und Martina Rebien. Die frühere rot-grüne Bundesregierung hatte im Januar 2005 mit dem so genannten Hartz-IV-Gesetz das ALG II eingeführt. Dieses fasst die frühere Arbeitslosenhilfe und die Sozialhilfe zusammen. (nz)