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Lupe Deutsches Bildungssystem fällt massiv zurück

Je niedriger die Bildung, desto höher ist das Risiko einer Arbeitslosigkeit – dieser Grundsatz gilt fast überall. Doch in Deutschland ist dieser Zusammenhang besonders deutlich.

Trotz leichter Verbesserungen fällt das deutsche Bildungssystem nach dem neuen OECD-Bericht 2007 im internationalem Vergleich weiter zurück. Während die Bundesrepublik in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Studenten um fünf Prozent steigern konnte, legten die 29 anderen wichtigsten Industrienationen im Schnitt um 41 Prozent zu. Deutschland fiel damit im weltweiten Vergleich vom zehnten auf den 22. Rang zurück, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in einem Bericht aufzeigt.

Erneut wird in der jährlichen Bildungsanalyse die geringe Abiturienten- und Akademikerzahl in Deutschland kritisiert. Die Bundesrepublik sei nicht in der Lage, alle Arbeitsplätze für die in den nächsten Jahren aus Altersgründen ausscheidenden Ingenieure oder Lehrer mit eigenen Nachwuchskräften zu besetzen - geschweige denn auf den weiteren Trend zur Höherqualifizierung auf dem Arbeitsmarkt zu reagieren.

OECD-Generalsekretär Angel Gurría kritisierte die in Deutschland übliche Aufteilung von zehnjährigen Kindern auf unterschiedliche Schulformen. Oberschichtkinder hätten eine mehr als doppelt so große Studienchance wie Schüler aus einfachen Familien. Nur 21 Prozent aller 15-Jährigen in Deutschland können sich überhaupt perspektivisch ein Studium vorstellen. Im OECD-Schnitt sind dies 57 Prozent.

Die jährlich veröffentlichte Studie zeigt zudem, dass der Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Erfolg am Arbeitsmarkt immer enger wird. In Deutschland lag 2005 bei den 25- bis 34-Jährigen die Erwerbsquote bei Hochschulabsolventen bei 83 Prozent (OECD-Durchschnitt 84 Prozent), bei Personen mit einem Abschluss des dualen Systems oder einer Berufsfachschule bei 78 Prozent. Bei Personen ohne einen Abschluss der Sekundarstufe II (also Personen mit Haupt- oder Realschul- oder gar keinem Abschluss) lag die Erwerbsquote sogar 30 Prozentpunkte niedriger als bei Hochschulabsolventen.

Umgekehrt waren 2005 lediglich 5,3 Prozent der Hochschulabsolventen (OECD-Durchschnitt 3,9 Prozent) und 6,9 Prozent der Absolventen einer dualen Berufsausbildung arbeitslos, während es bei den Personen ohne Sekundarstufe-II-Abschluss 18,8 Prozent waren (OECD-Mittel elf Prozent). Diese Schere geht seit 1998 immer mehr auseinander: Für Hochschulabsolventen ist das Risiko, arbeitslos zu werden, der Studie zufolge seither konstant geblieben, für Personen ohne Abschluss der Sekundarstufe II hat es sich deutlich erhöht. Zugleich wächst bei Absolventen einer Ausbildung im dualen System mit zunehmendem Alter das Risiko der Arbeitslosigkeit, während es bei Hochschulabsolventen mit steigendem Alter nicht zunimmt.

Die Studie zeigt ferner, dass im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) Investitionen in Bildungseinrichtungen in Deutschland hinter dem OECD-Gesamtwert zurückbleiben. Mit 4,3 Prozent des BIP liegt Deutschland auf dem 21. Platz von 28 vergleichbaren OECD-Staaten. Dies wird aber teilweise durch einen überdurchschnittlichen Anteil von Privatausgaben im Rahmen des dualen Systems kompensiert. Auch bei der vorschulischen Bildung und der Schule ist der Anteil privater Ausgaben in Deutschland besonders hoch.

Probleme zeichnet die Studie in den nächsten Jahren bei der Neubesetzung von Stellen der Ingenieurs- und Bildungswissenschaften: Demnach gibt es in diesen Bereichen bei den 25- bis 34-Jährigen nur 0,9 mal so viele Absolventen mit Hochschulabschluss wie in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen. Damit könnten Neubesetzungen von Stellen problematisch werden, wenn die ältere Generation in den nächsten Jahren in Ruhestand geht. (dpa/AP)