Deutsches Bildungssystem fällt massiv zurück
OECD-Generalsekretär Angel Gurría kritisierte die in Deutschland übliche Aufteilung von zehnjährigen Kindern auf unterschiedliche Schulformen. Oberschichtkinder hätten eine mehr als doppelt so große Studienchance wie Schüler aus einfachen Familien. Nur 21 Prozent aller 15-Jährigen in Deutschland können sich überhaupt perspektivisch ein Studium vorstellen. Im OECD-Schnitt sind dies 57 Prozent.
Umgekehrt waren 2005 lediglich 5,3 Prozent der Hochschulabsolventen (OECD-Durchschnitt 3,9 Prozent) und 6,9 Prozent der Absolventen einer dualen Berufsausbildung arbeitslos, während es bei den Personen ohne Sekundarstufe-II-Abschluss 18,8 Prozent waren (OECD-Mittel elf Prozent). Diese Schere geht seit 1998 immer mehr auseinander: Für Hochschulabsolventen ist das Risiko, arbeitslos zu werden, der Studie zufolge seither konstant geblieben, für Personen ohne Abschluss der Sekundarstufe II hat es sich deutlich erhöht. Zugleich wächst bei Absolventen einer Ausbildung im dualen System mit zunehmendem Alter das Risiko der Arbeitslosigkeit, während es bei Hochschulabsolventen mit steigendem Alter nicht zunimmt.
Die Studie zeigt ferner, dass im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) Investitionen in Bildungseinrichtungen in Deutschland hinter dem OECD-Gesamtwert zurückbleiben. Mit 4,3 Prozent des BIP liegt Deutschland auf dem 21. Platz von 28 vergleichbaren OECD-Staaten. Dies wird aber teilweise durch einen überdurchschnittlichen Anteil von Privatausgaben im Rahmen des dualen Systems kompensiert. Auch bei der vorschulischen Bildung und der Schule ist der Anteil privater Ausgaben in Deutschland besonders hoch.
Probleme zeichnet die Studie in den nächsten Jahren bei der Neubesetzung von Stellen der Ingenieurs- und Bildungswissenschaften: Demnach gibt es in diesen Bereichen bei den 25- bis 34-Jährigen nur 0,9 mal so viele Absolventen mit Hochschulabschluss wie in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen. Damit könnten Neubesetzungen von Stellen problematisch werden, wenn die ältere Generation in den nächsten Jahren in Ruhestand geht. (dpa/AP)
