netzeitung.deViele können von 40-Stunden-Woche nur träumen

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Vor allem im Großraumbüro klagen Angestellte über den Lärmpegel. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Vor allem im Großraumbüro klagen Angestellte über den Lärmpegel.
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Im modernen Büro empfindet ein Großteil der Arbeitnehmer ihre Arbeit nicht als zu schwer, aber als zu viel. Sie klagen dabei über «Multi-Tasking» und dauernde Unterbrechungen, die die Konzentration störten.

Auch wenn 38 oder 40 Stunden im Arbeitsvertrag sehen – viele arbeiten pro Woche deutlich mehr, fast jeder sechste Beschäftigte in Deutschland im Schnitt sogar mehr als 48 Stunden in der Woche. Das geht aus der neuen Erwerbstätigenbefragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hervor, die am Montag in Düsseldorf vorgestellt wurde.

«Die tariflichen Arbeitszeitvereinbarungen sagen immer weniger über die tatsächliche Arbeitszeit aus», sagte die wissenschaftliche Leiterin der Befragung, Beate Beermann, anlässlich der Arbeitsschutzmesse «A+A 2007». Ab und zu samstags zu arbeiten, gehöre für zwei Drittel der Beschäftigten zum Alltag. An Wochenende falle mindestens gelegentlich für 70 Prozent der Samstag und für 40 Prozent der Sonntag als Ruhetag aus.

Unterbrechungen stören die Konzentration
Mehr als die Hälfte der Befragten habe über Zeit- und Termindruck geklagt, hieß es weiter. Zwei Drittel der Beschäftigten an Büroarbeitsplätzen und in technischen Berufen beklagten, dass sie mehrere Arbeiten gleichzeitig im Auge haben müssten – im modernen Büro-Sprech «Multi-Tasking» genannt.

Mehr als 50 Prozent fühlten sich zudem bei ihrer Arbeit gestört: Die von ihnen erwartete hohe Konzentrationsleistung werde «durch dauernde Unterbrechungen erschwert», berichtete Beermann. Diese Belastung am Arbeitsplatz werde bislang «deutlich unterschätzt». Bei der Organisation der Büroarbeit liege noch vieles im Argen, beklagte die Expertin. Auch mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen sowie fehlende Informationen belasten Betroffene stark.

Schmerzen im Nacken und Rücken
Dabei sieht sich die große Mehrheit der Beschäftigten ihrer Arbeit durchaus gewachsen. Mehr als 80 Prozent der Befragten hätten diese Selbsteinschätzung, nur knapp 18 Prozent fühlten sich durch die Aufgaben überfordert, hieß es. Die Arbeit werde als «zu viel» und weniger als «zu schwer» empfunden, so Beermann. Aus der Studie geht ferner hervor, dass jeden achten Befragten große Angst vor dem Jobverlust plagt. Demgegenüber beurteile aber nur rund 55 Prozent die wirtschaftliche Lage ihres Betriebs als gut und sehr gut.

Die Erwerbstätigenstudie wurde anlässlich der am Dienstag in Düsseldorf beginnenden Sicherheits- und Gesundheitsmesse A+A präsentiert. Dafür wurden 20.000 repräsentativ ausgewählte Beschäftigte befragt. Ein weiteres Ergebnis: Jeder zehnte Erwerbstätige in Deutschland beurteilt seinen Gesundheitszustand als weniger gut oder schlecht.

Arbeiten im Sitzen oder Stehen und Zwangshaltungen – etwa am Computer – wurden am häufigsten auf die Frage nach körperlicher Belastung genannt. Entsprechend führten Schmerzen im Nacken, Rücken und an den Schultern gemeinsam mit allgemeinen Erschöpfungszuständen die Liste der gesundheitlichen Beschwerden an. Wie ein gesund erhaltendes Büro ausgestattet sein soll, können sich die Besucher der Düsseldorfer Fachmesse bis zum kommenden Freitag ansehen. (ddp/dpa/nz)