Koalition will Ingenieure im Ausland anwerben
13.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Den Kinderzuschlag von 140 Euro monatlich bekommen aktuell rund 124.000 Familien mit geringem Arbeitseinkommen, die wegen ihrer Kinder sonst in Hartz-IV abrutschen würden. Von der Leyen will den Empfängerkreis auf 500.000 steigern. Die millionenfache Kinderarmut nannte die Ministerin «eines der beschämendsten Probleme in unserem Land».
Die Oppositionsparteien FDP und Grüne kritisierten die Zusatzforderung der CSU, ab 2013 auch ein Betreuungsgeld für Familien einzuführen, die ihre unter dreijährigen Kinder zuhause erziehen wollen. Ina Lenke von der FDP verwies auf das abschreckende Beispiel Norwegen, wo gerade Migrantenkinder, die Sprachförderung in Krippen besonders nötig haben, wegen der Finanzleistung bewusst zuhause behalten würden.
Die Grünen-Abgeordnete Britta Haßelmann sagte, eine Prämie fürs Zuhause-Bleiben von Müttern sei überflüssig. Die Linke-Politikerin Diana Golze verlangte einen erhöhten Regelsatz beim Arbeitslosengeld II, der Kinder-Bedürfnissen entspreche. Die Ausgaben für die Familienpolitik steigen 2008 um zirka 900 Millionen auf rund 6,2 Milliarden Euro, vor allem wegen des vollen Wirksamwerdens des Elterngelds.
Generell soll aber für alle übrigen Branchen weiter gelten, dass das hiesige Arbeitskräftepotenzial vorrangig ausgeschöpft werden muss. Weiter kündigte der Minister an, dass er den jüngst tariflich vereinbarten Mindestlohn für Postdienstleister noch im Dezember für allgemein verbindlich erklären wird, so dass er ab 2008 branchenweit gilt. Müntefering begrüßte es, dass auch die Zeitarbeitsbranche eine Mindestlohnregelung anstrebt.
Dass Zeitarbeit oftmals zu Dauerarbeit mit künstlich gedrückten Löhnen werde, sei nicht im Sinne des Erfinders. Die FDP-Abgeordnete Claudia Winterstein lehnte für ihre Fraktion Mindestlöhne kategorisch ab, weil sie Jobs zerstören und den Haushalt belasten würden. Gesine Lötzsch von der Linksfraktion monierte indes eine «verheerende Spirale des Lohndumpings». Viele reguläre Stellen seien in Mini-Jobs aufgeteilt worden, tausende Leiharbeiter würden mit Hungerlöhnen abgespeist und immer mehr Vollzeitbeschäftigte müssten sich ihre Löhne vom Sozialamt aufstocken lassen.
Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer kritisierte die Union: «Wer Wohlstand für alle will, sich aber nicht für Mindestlöhne einsetzt, ist unglaubwürdig.» (AP)

