Milliarden-Verlust durch Fachkräftemangel
20. Aug 2007 09:30
 |  Besonders im Maschinenbau und der Metall- und Elektroindustrie gibt es Engpässe beim Fachpersonal. | Foto: dpa |
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Minister Glos hat errechnen lassen, wie groß der volkswirtschaftliche Verlust durch Fachkräftemangel ist. In dieser Woche will das Kabinett eine Reihe von Maßnahmen beschließen, um gegenzusteuern.
Die Ausfälle durch den Mangel an Fachkräften wird auf schätzungsweise 20 Milliarden Euro beziffert. Das habe das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Auftrag gegebenen Studie berechnet, berichtete die «Süddeutsche Zeitung». «Der aus den nicht besetzbaren Stellen resultierende Wertschöpfungsverlust liegt nach vorläufigen Berechnungen im zweistelligen Milliardenbereich. Dieser könnte bis zu ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen», zitiert die Zeitung aus dem Papier. Dieses Prozent entspräche 2007 mehr als 20 Milliarden Euro, hieß es.
Regierung plant «Nationale Offensive»
Die Studie kommt dem Bericht zufolge außerdem zu dem Ergebnis, dass die Zahl der mit Verzögerungen oder definitiv nicht besetzbaren Stellen sechsstellig sei. Die Engpässe konzentrierten sich auf jene Branchen, die für die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands am wichtigsten seien. Genannt werden laut «SZ» der Maschinenbau, die Metall- und Elektroindustrie, der Fahrzeugbau und unternehmensnahe Dienstleistungen.Bei den Hochqualifizierten fehle es vor allem an Nachwuchs bei Technikern und Meistern sowie in den akademischen Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Keine akuten Engpässe gebe es in den Geistes-, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.
Die Bundesregierung will auf ihrer Kabinettsklausur Ende der Woche im brandenburgischen Meseberg über den von der Wirtschaft beklagten Fachkräftemangel beraten. In einer zwischen mehreren Ministerien abgestimmten Vorlage für eine «Nationale Qualifizierungsoffensive» heißt es, absehbare Engpässe auf dem Akademiker-Arbeitsmarkt drohten zur Wachstumsbremse für die deutsche Wirtschaft zu werden. Die Offensive soll in Meseberg beschlossen werden.
Vor allem Akademiker fehlen
Schon 2014 könnten je nach Konjunktur bis zu 95.000 Ingenieure und bis zu 135.000 Naturwissenschaftler fehlen, zitierte die Nachrichtenagentur dpa aus dem Papier. «Der Bedarf an Personal ohne Berufsabschluss sinkt, der an akademisch gebildetem Personal steigt», heißt es demnach in der unter Federführung von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) erstellten Vorlage.Bis 2013 würden allein in der Wirtschaft 330.000 Akademiker in Rente gehen - fast die Hälfte davon Naturwissenschaftler und Ingenieure. Nach der Prognose reicht in den nächsten sieben Jahren die Zahl der Hochschulabsolventen gerade aus, um den Ersatzbedarf zu befriedigen. Für weiteres Wachstum wird zu wenig Spielraum gesehen.
Die Regierung verlangt deshalb von «allen Akteuren» in der Bildungspolitik – Bund, Ländern und Wirtschaft – mehr Anstrengungen. Schavan soll mit den Ländern entsprechende Initiativen anstoßen. Mehr junge Leute sollen ein Studium beginnen und die Zahl der Abbrecher deutlich reduziert werden.
Deutsche Forscher im Ausland zurücklocken
Fachhochschulen und Universitäten sollen sich mehr öffnen für qualifizierte Berufstägige auch ohne klassisches Abitur. Durch die Bachelor- und Masterabschlüsse, mehr Betreuung und auch mehr Bafög soll sich die Studiensituation deutlich verbessern. «Kein Campus ohne Kindertagesstätte», heißt es zudem in dem Papier.Schavan plant zudem ein «Wissenschaftsfreiheitsgesetz», um deutsche Forscher und Spitzenkräfte aus dem Ausland zur Rückkehr zu bewegen. Versprochen werden forschungsfreundliche rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland – und auch für die jeweiligen Lebenspartner attraktive Job- und Karriereangebote.
Offen sind in der Vorlage noch die geplanten Erleichterungen für die Zuwanderung von Spitzenkräften aus Nicht-EU-Staaten. Schavan will dafür die Einkommensgrenzen von heute 85.000 Euro auf 60.000 bis 40.000 Euro Jahresgehalt absenken. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) will hingegen zunächst Reserven auf dem deutschen Arbeitsmarkt durch mehr Weiterbildung mobilisieren. Ein Absenken auf 40.000 Euro – was etwa dem Jahresgehalt eines guten Facharbeiters entspricht – komme für ihn nicht in Frage, heißt es aus Regierungskreisen. (AP/dpa)