28. Jun 2007 15:49
Dass sich die Einkommensschere in Deutschland geweitet hat, ist hinlänglich bekannt. Nur ist die Lücke größer als bislang angenommen. Der Grund: Die Gewerkschaften haben an Macht verloren.
Die Entwicklung der Löhne in den oberen Gehaltsgruppen hänge in erster Linie mit dem technologischen Wandel zusammen, der gut ausgebildete Arbeitnehmer begünstige. Die wachsende Ungleichheit am unteren Ende der Lohnskala sei auch auf den schwindenden Einfluss der Gewerkschaften zurückzuführen. Diese Ergebnisse legen nach Einschätzung des IZA nahe, dass Mindestlöhne eine wachsende Ungleichheit innerhalb der unteren Lohngruppen mildern könnten. «Möglicherweise wäre dann jedoch gerade die Gruppe der Geringqualifizierten einem höheren Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt.» Zudem räumte das IZA ein, dass sinkende Reallöhne in den unteren Lohngruppen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gesteigert haben könnte. Dies dürfte den aktuellen Aufschwung stützen.
Eine weitere am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung untermauert die IZA-Analyse: Die Unterschiede in der Qualifikation zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen in den USA seien im Schnitt deutlich höher als in Deutschland, hieß es in der IALS-Studie (International Adult Literacy Survey), die beschäftigungsrelevante Qualifikationen in 30 Ländern vergleicht.
«Das widerspricht der Hypothese, wonach geringer Qualifizierte in Ländern mit sehr flexibler Lohnstruktur und schwacher sozialer Sicherung vergleichsweise gute Chancen am Arbeitsmarkt haben», hieß es in der von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung verbreiteten Studie. Träfe die These zu, müssten Beschäftigte und Arbeitslose in den USA ähnliche Fähigkeiten haben. «In Deutschland müsste die Differenz hingegen größer sein.» (Reuters)