netzeitung.deHandys verführen Manager zur Lüge

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Vor allem in Kurznachrichten wird gelogen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Vor allem in Kurznachrichten wird gelogen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Lügen ist mit den modernen Kommunikationsmitteln wie Handys und Mails viel leichter geworden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf Augenkontakt und Händedruck setzen.

Deutschlands Manager sind im Lügen, Verschweigen und Verleugnen ganz groß. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung der Unternehmensberatung German Consulting Group (GCG) unter 417 Führungskräften. 63 Prozent der befragten Manager gaben demnach an, mit Hilfe elektronischer Medien ihre Geschäftspartner oder Kollegen zu belügen. Am häufigsten werde die Wahrheit per SMS verdreht: 81 Prozent der Befragten sagten, sehr häufig oder zumindest häufig die Unwahrheit zu schreiben.

Lediglich sieben Prozent hätten noch niemals per SMS ihre Geschäftspartner oder Kollegen belogen. «Da man per SMS oder Blackberry eine eher begrenzte Wortanzahl zur Verfügung hat, kommt einem auch die Lüge kleiner vor», vermutet Boris Liffers, Geschäftsführer der GCG. Zudem könnten wenige Worte später immer noch als Missverständnis ausgelegt werden.

Lügen, was das Zeug hält
Auf Platz zwei der beliebtesten Kommunikationsmittel für Unwahrheiten, stehe die E-Mail: Drei von vier Managern hätten angegeben, häufig oder sehr häufig Unwahrheiten in Mails zu verschicken. Nur neun Prozent schreiben nach eigenen Aussagen immer die Wahrheit per Mail. Nicht belogen zu werden, ist außerdem wahrscheinlicher, wenn die Mail von der Sekretärin oder dem Sekretär versendet wurde: Mit 48 Prozent habe knapp die Hälfte der Befragten Skrupel, ihre E-Mail-Unwahrheiten von anderen tippen zu lassen. Auch beim Telefonieren wird gelogen: 61 Prozent der Manager hätten zugegeben, auch schon während eines Telefonats die Unwahrheit gesagt zu haben, hieß es weiter.

Der Grund für die zunehmende Unehrlichkeit der Führungskräfte seien die modernen Kommunikationshilfen und eine damit einhergehende Überforderung: «Durch die hohe Mobilität und den gleichzeitig zurückgehenden persönlichen Kontakt sind Aussagen nicht mehr nachprüfbar. Lügen wird somit einfacher», erläutert GCG-Chef Liffers. Hinzu komme das Bedürfnis, dem hohen Kommunikationsdruck der ständigen Erreichbarkeit manchmal entfliehen zu wollen.

Händedruck und persönlicher Kontakt sind sicherer
«Eine der häufigsten Ausreden für Nichterreichbarkeit ist, keinen Handy-Empfang gehabt zu haben – gleichzeitig liegt die Netzabdeckung laut einer Studie im Mai 2007 bei den großen Anbietern bei über 90 Prozent. In Ballungsgebieten liegt sie bei nahezu 100 Prozent», so Liffers. «Hieran erkennt man die Paradoxie und gleichzeitig den Kommunikationsdruck, der auf Managern lastet.»

Die beliebteste Ausrede für Nichterreichbarkeit sei «Klingeln nicht gehört». Danach würden Serverprobleme und angeblich fehlender Empfang folgen. Auch ein angebliches Meeting, ein leerer Akku und eine Flugreise müssen den Angaben zufolge oft herhalten.

Manager müssen in der Mediengesellschaft mehr und mehr kommunizieren, fasst Liffers die Studie zusammen. Nur wer ab und an auch lügen dürfe, könne auch kommunizieren. Wer dies nicht akzeptieren könne, solle auf Augenkontakt und Händedruck setzen. Dies scheint auch in der modernen Mediengesellschaft die verbindlichste Art des Geschäftemachens zu sein. (nz)