Bestnoten an der Uni benachteiligen Arme
18.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
An der Universität Osnabrück wurde im April zwei Soziologie-Professoren die Prüfberechtigung entzogen, weil sie in mehr als 100 mündlichen Staatsexamensprüfungen seit 2003 nur eine Note kannten: 1,0. Wo gute Noten zu holen sind, spricht sich auch schnell unter den Studenten herum: An der Kölner Uni können sich nach Angaben von Politik-Studenten einige als großzügig bekannte Professoren vor Anmeldungen zur Examensprüfung kaum retten. Während strenger benotende Kollegen nicht so viele Prüflinge haben, kommen die angeblichen «Einsergaranten» vor lauter Kandidaten kaum noch zum Forschen. «Es hängt aber nicht unbedingt an einzelnen Professoren, sondern an Fachbereichen», sagt das Mitglied einer Kölner Universitäts-Fachschaft dazu.
Nur bei einigen Studienfächern wie den Rechtswissenschaften mit einer Durchschnittsnote von 3,17 fällt die Notenstreuung weiter aus. Außerdem wird unter anderem bei den Wirtschaftswissenschaften und bei den Medizinern strenger benotet. «Der Zensurenspiegel ist sicher auch etwas nach oben gerutscht, weil Professoren sich darüber im Klaren sind, dass sie mit ihrer Benotung die Weichen für die berufliche Zukunft der Studenten stellen», sagt Professor Holger Fischer, Vizepräsident der Universität Hamburg. Er sieht in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen eine Möglichkeit zur stärkeren Trennschärfe.
Hier würden nicht nur die Noten der Abschlussprüfungen und Examensarbeiten in die Bewertung einfließen, sondern alle im Laufe des Studiums erbrachten Leistungen berücksichtigt. In der neuen Studie des Wissenschaftsrates liegen erstmals Ergebnisse für diesen neuen Abschlüsse vor, die Fischers Vermutung bestätigen: 58 Prozent der Bachelor- und Masterabschlüsse wurden mit «gut», immerhin 22 Prozent aber auch mit «befriedigend» bewertet.

