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Ehrgeiz und Wille zur Macht für Karriere wichtig

19. Mrz 2007 12:37
Bewerbungsgespräch
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Wer Karriere machen will, muss nach Ansicht von Experten bei dem italienischen Machttheoretiker Machiavelli in die Lehre gehen. Speichellecker sind demnach bei Chefs nicht gefragt.

Karrieristen gelten nur selten als sympathisch. Oft stehen sie sogar in dem Ruf, skrupellos zu sein. «Beruflicher Erfolg hängt aber von vielen Faktoren ab», sagt Jürgen Lürssen, Karriereberater und Professor an der Universität Lüneburg. Und das macht es für beide Seiten schwierig: für die, die es gerne zu etwas bringen wollen, und für Personalentscheider, die diejenigen einstellen möchten, die tatsächlich das Zeug zur Karriere haben. Was also ist die optimale Karrierestrategie?

Der «Wille zur Macht» ist nach Hans-Michael Kleins Überzeugung tatsächlich Voraussetzung – jedenfalls dann, wenn mit der Karriere Führungsaufgaben und Personalverantwortung verbunden sind. «Erfolg ist immer eine Frage von Persönlichkeit. Und diejenigen, die oben sind, die wollten auch nach oben. Der ausgeprägte Wunsch, Karriere zu machen, ist dafür unverzichtbar», sagt der Führungskräfte-Coach aus Essen. «Erfolgspotenzial ist auch eine charakterliche Disposition. Man braucht einen ausgeprägten Narzissmus, man muss in gewisser Weise auch skrupellos sein, wenn man weit kommen will.»

In der Lehre bei Machiavelli

Das sieht Prof. Heinz Schuler ähnlich: «Machiavellisten sind im Beruf meistens erfolgreich», sagt der renommierte Eignungsdiagnostiker, der an der Universität Stuttgart-Hohenheim Karrierefaktoren erforscht. Aber das ist nach seiner Überzeugung nur einer von vielen Aspekten. Schuler hat untersucht, welche Rolle die Persönlichkeit für den beruflichen Erfolg spielt und wie sich dieser anhand verschiedener Kriterien vorhersagen lässt: «Die Unterschiede in der Persönlichkeit wurden in Deutschland lange Zeit weniger beachtet als zum Beispiel in den USA», sagt der Wissenschaftler. «Aber das hat sich geändert.

Inzwischen gucken nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Personaler genau hin, wer sich bewirbt: «Bewerbungsunterlagen sind nur bedingt aussagefähig», sagt Prof. Schuler: «Sie enthalten nur zwei brauchbare Informationen: die Noten und die Angaben zur Berufserfahrung.» Arbeitszeugnisse seien ebenfalls wenig verlässlich – «oft genug haben die Bewerber sie selbst geschrieben». Schulnoten dagegen seien durchaus ein Indikator für Leistungsfähigkeit. «Mehr als die Examensnoten an den Hochschulen», ist Schuler überzeugt. «Da ist es viel schwieriger, zwischen den Guten und den Mittelmäßigen zu unterscheiden.» Hinzu komme, dass der Notenunterschied zwischen einzelnen Fächern und sogar Hochschulen erheblich ist.

Ohne Studium geht es nicht

»In vielen Berufen ist für eine Führungsposition ein Studium aber die unverzichtbare Eintrittskarte», sagt Karriere-Experte Lürssen von der Uni Lüneburg. «Karrieren vom Lehrling zum Vorstandschef, die es früher gab, das ist vorbei», so der Wirtschaftswissenschaftler. Berufsbiografien seien heute sogar häufig noch gradliniger als früher, sagt auch Madeleine Leitner, Führungskräfte-Trainerin aus München. Quereinsteiger haben es nach ihrer Beobachtung heute schwerer als vor zehn Jahren.

«An welcher Hochschule man studiert hat, spielt dagegen in der Regel keine entscheidende Rolle. Das ist bei uns anders als in den USA», sagt Lürssen. Wichtiger für die Karriere seien Faktoren wie Studienschwerpunkt, Praktika, Auslandserfahrung und Soft Skills.

Soziale Kompetenz gefragt

«Leistungsmotivation, Intelligenz und soziale Kompetenz» nennt Schuler als wichtige, überprüfbare Faktoren für eine Karriereprognose – genau darauf werden Bewerber bei modernen Verfahren der Eignungsdiagnostik auch geprüft. Aufwendige Personalauswahlverfahren verbinden Tests zur Intelligenz beispielsweise mit Interviews zum bisherigen Berufserfolg und Rollenspielen zum Sozialverhalten. «In der Kombination der Ergebnisse kann man schon recht genaue Vorhersagen treffen», sagt Schuler. (Andreas Heimann/dpa)Ganz wichtig für beruflichen Erfolg ist aber auch die Bereitschaft, den Preis dafür zu bezahlen», sagt Lürssen. «Die Bereitschaft umzuziehen zum Beispiel. In einem Land wie unserem sind die wirtschaftlichen Zentren überall verteilt.» Wer nicht bereit sei, den Wohnort zu wechseln, verpasse in vielen Branchen automatisch Karrierechancen. Aber auch Abstriche beim Privatleben seien meist Voraussetzung für den Aufstieg.

Die Bereitschaft, gegen Konkurrenten die Ellenbogen einzusetzen, ist da bei manchem größer. Ehrgeiz sieht Christine Öttl, Karriere-Coach aus München, nicht grundsätzlich negativ: «Wer ehrgeizig ist, muss kein skrupelloser Karrierist sein.» Ihrer Beobachtung nach ist die Zahl derjenigen, die auf Kosten anderer Karriere machen, auch erheblich kleiner als die Gruppe derer, die dazu nicht bereit sind. «Natürlich gibt es diejenigen, die auf der Karriereleiter einfach nur schnell nach oben wollen, aber das sind Ausnahmen.»

Kompromissfähigkeit gefragt

Reine Ja-Sager sind bei Vorgesetzten nicht gefragt: «Ihnen wird nichts anvertraut, wobei man selbstverantwortlich arbeiten muss», sagt Prof. Heinz Schuler, Eignungsdiagnostiker an der Universität Stuttgart-Hohenheim. «Nur wenige Chefs mögen Speichellecker», bestätigt Christine Öttl, Karriere-Coach aus München. Die Mehrzahl der Vorgesetzten bevorzuge konstruktive Kritik.

«Andererseits müssen Arbeitnehmer realistisch sein, nachgeben können und Kompromisse schließen. Man bekommt nicht immer das, was man selbst für richtig hält», sagt Öttl. Und völlig natürlich sei es auch zu überlegen, was der Chef wohl erwartet und wie man sich ihm am besten präsentiert. «Nur vorauseilender Gehorsam kann ganz schön in die Hose gehen. Vielleicht will der Chef ja doch ganz was anderes.» (Andreas Heimann/dpa)

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