06.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Für Gleichberechtigung: Angela Merkel
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Die Gleichstellung der Frau ist für Kanzlerin Merkel noch nicht erreicht. Sie kämpft für mehr Frauen in Führungspositionen - die Familie dürfe aber «nicht als Störfaktor» gesehen werden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die weiblichen Mitglieder ihres Kabinetts haben am Dienstag zur Fortsetzung des Kampfes für die Gleichstellung der Frau aufgerufen. Merkel bezeichnete es als Skandal, dass in keinem Vorstand eines Dax- 30-Unternehmens eine Frau sitze. Dies entspreche «nun wirklich nicht der gesellschaftlichen Realität.» Die Wirtschaft müsse sich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf annehmen. «Wenn die Wirtschaft das als Störfaktor betrachtet, werden wir keine kinderfreundliche Gesellschaft haben», warnte sie.
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) forderte ein Umdenken auch in der Politik. «Es ist ein Sachverhalt, dass wir seit dem Bestehen der Bundesrepublik über 100 Ministerpräsidenten hatten und nur einzige Frau - Heide Simonis.» Es sei an der Zeit, dass sich das endlich ändere.
Merkel und die Bundesministerinnen beteiligten sich an einer Diskussionsveranstaltung zum Thema «20 Jahre Frauenministerium: Was bringt Gleichstellungspolitik?». Bundesfrauenministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, heute sei es eine wesentliche Herausforderung, auch die Männer als Partner und Adressaten der Gleichstellung anzusprechen. «Wir müssen erreichen, dass sich die herkömmlichen Rollenbilder - für Männer wie für Frauen - öffnen.»
«Das muss weg»Die Kanzlerin bekräftigte, die Gleichberechtigung der Frau werde ohne ein verändertes Rollenverhalten des Mannes nicht möglich sein. Mit dem Wunsch um eine Auszeit für Kinderbetreuung zum Chef zu gehen, sei für einen Mann noch immer Mutprobe. «Das muss weg», sagte Merkel. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) kritisierte, zu wenige Spitzenpositionen in der Wissenschaft seien mit Frauen besetzt. «Wir müssen jetzt ganz konkret werden und sehen: Wo gehen Frauen auf dem Weg zur Spitze verloren?» sagte die Ministerin.
Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hatte jüngst ergeben, dass in den 200 größten deutschen Firmen nur elf Frauen im Vorstand sitzen, bei den 30 im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Konzernen keine einzige. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung. Obwohl fast jeder zweite abhängig Beschäftigte weiblich ist, gelange nur knapp jede vierte erwerbstätige Frau in eine Führungsposition. (dpa)