Nicht jede Weiterbildung bringt einen weiter
18.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Wer sich beruflich weiterbilden will, sollte sich vorher klar machen, welche Ziele er damit erreichen will. «Der Markt für Fort- und Weiterbildungsangebote ist unübersichtlich und vielfältig», sagt Alfred Töpper, Weiterbildungsexperte von Stiftung Warentest, netzeitung.de. Betroffene sollten sich deshalb vorher mit der Frage auseinandersetzen, was genau sie suchen und welche Qualifikation sie erreichen wollen. «Eine Übersicht über die Angebote findet sich dann am schnellsten in den einschlägigen Internet-Datenbanken.» Zu den wichtigen Quellen zählt Töpper vor allem den Deutschen Bildungsserver, die von den Bundesländern unterhaltenen Datenbanken und die Markt-Übersicht der Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU).
Um die Qualität der angebotenen Kurse einzuschätzen, sei Wachsamkeit erforderlich. «Wie bei Schulen auch ist das Abitur der einen Schule gut, das andere ist leichter zu haben und gilt deshalb als minderwertig.» Genau so verhält es sich im Weiterbildungssektor: Auch Zertifikate oder Teilnahme-Bescheinigungen bestimmter Weiterbildungs- Anbieter haben keinen Wert «weder auf dem Arbeitsmarkt noch für den Betroffenen selbst», warnt Bildungs-Experte Töpper. «Bei den Angeboten, die mit einem staatlich anerkannten Abschluss wie der Mittleren Reife enden, ist es vergleichsweise einfach, einen Anbieter zu finden, weil für den Abschluss verbindliche Mindestqualifikationen vorgeschrieben sind, damit der Teilnehmer ein Zertifikat oder Zeugnis bekommt.» Auch die Angebote der IHK hält Töpper für empfehlenswert. «IHK-Abschlüsse und Bescheinigungen sind staatlich anerkannt und gelten als qualitätsvoll.»
Die finanzielle Förderung für Weiterbildungsmaßnahme ist dem Warentest-Experten zufolge »sehr kompliziert«: «Geld gibt es beispielsweise bei de Begabtenförderung einiger Stiftungen», erläutert Töpper. «Anwärter auf den Meisterbrief oder Handwerker und andere Fachkräfte, die sich fortbilden, um beruflich aufzusteigen, können das Meister-Bafög beantragen.» Arbeitslose könnten außerdem über den Bildungsgutschein gefördert werden. «Die Kosten der Weiterbildung können außerdem in nahezu allen Fällen von der Steuer abgesetzt werden.« Nicht zu vergessen sei außerdem, dass Arbeitgeber manche Fortbildung finanzieren, sofern für sie ein unmittelbarer Nutzen erkennbar ist.»
Ob die Weiterbildung online oder in Präsenzterminen erfolgt, sei indes mittlerweile egal. «Das ist keine Frage der Qualität», meint Töpper. «Die ist mittlerweile bei den Online-Angeboten durchaus ebenbürtig.» Entscheidend sei vielmehr, dass die Online-Weiterbildung Vorteile gegenüber der klassischen Weiterbildung mit Präsenzterminen habe. «Das Lernen geht mitunter schneller, außerdem bleibt der Lernende zeitlich flexibel.» Allerdings erfordere das Lernen am Rechner auch mehr Disziplin, zumal der soziale Faktor beim Lernen in der Gruppe nicht unterschätzt werden solle. «Wer beides braucht, sollte sich auf Angebote konzentrieren, bei denen das Online-Lernen mit der Betreuung durch einen Tutor und mit Präsenzterminen kombiniert sind.»

