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Nicht jede Weiterbildung bringt einen weiter

18. Jan 2007 16:01
Lernen in einer Videokonferenz
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Wer sich weiterbilden will, sollte auf die Qualität der Anbieter achten. Manches Zertifikat kostet viel und hat dennoch kaum einen Wert, meint Bildungs-Experte Töpper im Gespräch mit netzeitung.de.

Von Markus Scheffler

Wer sich beruflich weiterbilden will, sollte sich vorher klar machen, welche Ziele er damit erreichen will. «Der Markt für Fort- und Weiterbildungsangebote ist unübersichtlich und vielfältig», sagt Alfred Töpper, Weiterbildungsexperte von Stiftung Warentest, netzeitung.de. Betroffene sollten sich deshalb vorher mit der Frage auseinandersetzen, was genau sie suchen und welche Qualifikation sie erreichen wollen. «Eine Übersicht über die Angebote findet sich dann am schnellsten in den einschlägigen Internet-Datenbanken.» Zu den wichtigen Quellen zählt Töpper vor allem den Deutschen Bildungsserver, die von den Bundesländern unterhaltenen Datenbanken und die Markt-Übersicht der Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU).

Um die Qualität der angebotenen Kurse einzuschätzen, sei Wachsamkeit erforderlich. «Wie bei Schulen auch ist das Abitur der einen Schule gut, das andere ist leichter zu haben und gilt deshalb als minderwertig.» Genau so verhält es sich im Weiterbildungssektor: Auch Zertifikate oder Teilnahme-Bescheinigungen bestimmter Weiterbildungs- Anbieter haben keinen Wert – «weder auf dem Arbeitsmarkt noch für den Betroffenen selbst», warnt Bildungs-Experte Töpper. «Bei den Angeboten, die mit einem staatlich anerkannten Abschluss wie der Mittleren Reife enden, ist es vergleichsweise einfach, einen Anbieter zu finden, weil für den Abschluss verbindliche Mindestqualifikationen vorgeschrieben sind, damit der Teilnehmer ein Zertifikat oder Zeugnis bekommt.» Auch die Angebote der IHK hält Töpper für empfehlenswert. «IHK-Abschlüsse und Bescheinigungen sind staatlich anerkannt und gelten als qualitätsvoll.»

Zertifizierung besagt nichts

Die Zertifizierung durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) oder die Zentralstelle für Fernunterricht ist Töpper zufolge allein noch kein Gütemerkmal. «Die staatlichen Zertifizierungen besagen lediglich, dass Standards beispielsweise in der didaktischen Aufbereitung des Lernstoffs eingehalten werden, dass keine betrügerischen Absichten oder Übervorteilung des Kunden in den Geschäftsbedingungen erkennbar sind.» Dass der Gesetzgeber aktiv geworden sei, habe seinen Ursprung in dubiosen Haustürgeschäften der 60er Jahre, als den Menschen unseriöse Angebote vorgelegt wurden – zuweilen auch von Firmen, die nach Geldeingang pleite gingen, sodass die Betroffenen ihr Geld verloren.

Die finanzielle Förderung für Weiterbildungsmaßnahme ist dem Warentest-Experten zufolge »sehr kompliziert«: «Geld gibt es beispielsweise bei de Begabtenförderung einiger Stiftungen», erläutert Töpper. «Anwärter auf den Meisterbrief oder Handwerker und andere Fachkräfte, die sich fortbilden, um beruflich aufzusteigen, können das Meister-Bafög beantragen.» Arbeitslose könnten außerdem über den Bildungsgutschein gefördert werden. «Die Kosten der Weiterbildung können außerdem in nahezu allen Fällen von der Steuer abgesetzt werden.« Nicht zu vergessen sei außerdem, dass Arbeitgeber manche Fortbildung finanzieren, sofern für sie ein unmittelbarer Nutzen erkennbar ist.»

Weiterbildungsurlaub auf dem Rückzug

Ein Recht auf Weiterbildung hätten Arbeitnehmer, wenn das Wissen für die tägliche Arbeit unabdingbar sei: «Wer eine Maschine bedienen soll, muss erfahren, wie diese funktioniert», betont Töpper. Das in vielen Ländern noch verankerte Recht auf Bildungsurlaub «ist auf dem absteigenden Ast», stellt der Bildungs-Experte außerdem fest.

Ob die Weiterbildung online oder in Präsenzterminen erfolgt, sei indes mittlerweile egal. «Das ist keine Frage der Qualität», meint Töpper. «Die ist mittlerweile bei den Online-Angeboten durchaus ebenbürtig.» Entscheidend sei vielmehr, dass die Online-Weiterbildung Vorteile gegenüber der klassischen Weiterbildung mit Präsenzterminen habe. «Das Lernen geht mitunter schneller, außerdem bleibt der Lernende zeitlich flexibel.» Allerdings erfordere das Lernen am Rechner auch mehr Disziplin, zumal der soziale Faktor beim Lernen in der Gruppe nicht unterschätzt werden solle. «Wer beides braucht, sollte sich auf Angebote konzentrieren, bei denen das Online-Lernen mit der Betreuung durch einen Tutor und mit Präsenzterminen kombiniert sind.»

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