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Vizekanzler drückt bei Reformen aufs Tempo

10. Jan 2007 15:56
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering
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Die Bundesregierung will die geplante Reform des Arbeitsmarktes schneller vorantreiben. Streit gibt es vor allem um die Neuordnung des Niedriglohn- Sektors.

Bundesarbeitminister Franz Müntefering (SPD) will die geplante weitergehende Reform des Arbeitsmarktes trotz Unstimmigkeiten in der Koalition schneller umsetzen als vorgesehen. «Wir müssen das Tempo eher erhöhen», sagte der Vizekanzler am Mittwoch nach der ersten Kabinettsklausur dieses Jahres in Berlin. Zur Neuordnung des Niedriglohn- Sektors erwartet Müntefering bereits im ersten Halbjahr 2007 ein Ergebnis.

Zuversicht verbreitete auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): «Ich glaube, da wird uns was gelingen.» Man müsse allerdings aufpassen, dass nicht Instrumente geschaffen würden, die sich widersprechen. Bei den angestrebten Reformen geht es vor allem um Kombilohn-Modelle, Mindestlöhne, Regelungen für schwer vermittelbare Arbeitslose und Steuergutschriften für Geringverdiener. Die Union hatte zuvor gewarnt, die Entscheidungen darüber auf die lange Bank zu schieben.

Sozialabgaben- Befreiung bis Februar prüfen

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Müntefering bekräftigte sein Ziel, bis Ende Februar die finanziellen Auswirkungen des SPD-Vorschlages zu prüfen, Niedriglöhne von Sozialabgaben zu befreien. «Im Moment wird daran gerechnet.» Bei positivem Prüfergebnis solle die Regelung keine Kann- Bestimmung werden, sondern es müsse einen Rechtsanspruch geben. Bei dieser so genannten negativen Einkommensteuer sollen Arbeitnehmer mit geringem Einkommen keine Sozialabgaben zahlen müssen, stattdessen werden diese vom Staat übernommen.

Die Koalition plant darüber hinaus ein Konzept für besonders schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose. Müntefering will die Diskussion zum Thema «soziale Arbeit» im ersten Quartal weiter führen, um «daraus Konsequenzen ziehen zu können.» Die Regierung will für 100.000 Langzeitarbeitslose Arbeit finden. Ob dies schon in diesem Jahr gelinge, sei offen. Es gebe aber zusätzliche Arbeit, die von normalen Handwerksbetrieben nicht erledigt werde.

200.000 Lehrstellen

Zudem will die Regierung rund 200.000 jungen Arbeitslosen ohne Ausbildung eine Chance geben. «Das könnte man sehr wohl kombinieren mit einer Idee des Kombilohns», hieß es weiter. Staatliche Lohnzuschüsse seien zwar für alle Altersgruppen möglich, aber eine Lösung für unter 25-Jährige sei besonders wichtig.

Zudem würden Kombilohn-Modelle für allein erziehende Frauen geprüft, hieß es weiter. Diese seien am Arbeitsmarkt am stärksten benachteiligt. 40 Prozent kehrten nach dem ersten Kind nicht in den Beruf zurück. Das sei ein großer Bruch für die Frauen und eine Verschleuderung von Wissen und Kreativität. Die Union ist für Lohnzuschüsse vor allem für ältere und jüngere Arbeitslose.

Wichtige Debatte

Müntefering geht indes weiter davon aus, dass die Debatte um den Mindestlohn eine wichtige Rolle spielen wird. Tarifliche Mindestlöhne könnten eine Hilfestellung im Kampf gegen Lohndrückerei sein. Der Vizekanzler verwies zugleich auf den Start der «Initiative 50 plus» für ältere Arbeitnehmer zum 1. Mai. Dabei gehe es auch angesichts von 22.000 fehlenden Ingenieuren um mehr Qualifizierung. (nz)

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