«Generation Praktikum» meist kinderlos
29.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Eigentlich haben sie alles richtig gemacht: Sie sind Mitte 20, haben einen Uni-Abschluss in der Tasche und sind hoch motiviert. Doch statt im Beruf durchzustarten, arbeiten Zehntausende Uni-Absolventen als Dauer-Praktikanten. Und das in einem Alter, in dem viele eigentlich Kinder möchten: «Ich sehne mich danach, Mutter zu werden. Aber wie soll das gehen, wenn ich einfach keinen Fuß in die Tür kriege», sagt die 28-jährige Oldenburgerin Ines, die ihren Nachnamen nicht veröffentlicht sehen möchte.
Mehr als 30 Prozent der Akademikerinnen, so die Ergebnisse verschiedener Statistiken und Schätzungen, bleiben dauerhaft ohne Kinder, weil sie der Karriere Vorrang einräumen. Oder, weil sie wie Ines beruflich gar nicht erst auf die Beine kommen: Statt in ihrem Beruf als Umweltwissenschaftlerin zu arbeiten, fror sie den Dezember über hinter einem Stand auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt und verkaufte Kunsthandwerk.
Fast die Hälfte aller Praktikumsplätze für Hochschulabsolventen seien in Wirklichkeit getarnte Vollzeitjobs, schätzt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Die für Vollzeitarbeit fälligen Löhne und Sozialabgaben würden vier von zehn Praktikanten mit Uni-Abschluss vorenthalten.
Jede zweite Hauptschulabsolventin aus dieser Altersgruppe hatte dagegen bereits mindestens ein Kind. Bei den Akademikerinnen zwischen 29 und 32 Jahren waren immerhin noch 79 Prozent ohne Kind. Akademische Ausbildung, Karriere und Familie - die «Generation Praktikum» scheint mit dieser Vielfachbelastung überfordert zu sein: «Man fühlt sich überlastet, ausgenutzt, muss ständig Bewerbungen schreiben, lebt aus Koffern und steht gedanklich immer vor dem nächsten Umzug», beschreibt Pamela die Lebenssituation einer Dauerpraktikantin. «Leider ist das kein Leben für Mutter und Kind.» (AP)

