netzeitung.deLohn-Anteil am Volkseinkommen fällt weiter

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Die gewerkschaftsnahe Böckler-Stiftung sieht eine Wachstumsbelebung durch die Binnennachfrage skeptisch: Das Kaufkraftpotenzial der Arbeitnehmer werde in diesem Jahr einen historischen Tiefpunkt erreichen.

Die Schere zwischen Gewinneinkommen und Arbeitseinkommen öffnet sich weiter. Die Netto-Lohnquote – also der Anteil der Arbeitseinkommen am verfügbaren Einkommen aller privaten Haushalte – habe 2005 mit 41,2 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht, teilte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Mittwoch in Düsseldorf mit.

1991 lag die Quote noch bei 48,1 Prozent, 1960 sogar noch bei 55,8 Prozent. In diesem Jahr könnte die Quote sogar auf unter 40 Prozent sinken. Zugleich wachse der Anteil der Einkommen aus Unternehmensgewinnen und Vermögen, die überwiegend einer relativ kleinen Personengruppe zuflössen, hieß es. Diese Quote lag 2005 bei 32,6 Prozent nach 31,2 Prozent im Jahr zuvor.

Steuerquote auf Gewinneinkommen gefallen
Hauptgründe für den Rückgang der Netto-Lohnquote sind den Angaben zufolge die hohe Arbeitslosigkeit, ein wachsender Niedriglohnsektor sowie dauerhaft geringe Lohnzuwächse. Als Hauptgrund für den steigenden Anteil von Gewinn- und Vermögenseinkommen am gesamten privat verfügbaren Volkseinkommen nannte die Stiftung gestiegene Unternehmensgewinne.

Zugleich stieg den Angaben zufolge in den vergangenen Jahrzehnten die Belastung der Arbeitseinkommen mit Beiträgen von 9,4 Prozent im Jahr 1960 auf 16,7 Prozent 2005. Die Steuerquote bei Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen sank dagegen von 20 Prozent im Jahr 1960 auf ein Tief von 3,4 Prozent im Jahr 1997 – unter Rot-Grün stieg sie wieder auf sechs Prozent, liegt damit nach Einschätzung des Verteilungsexperten der Stiftung, Claus Schäfer, aber weiter «auf sehr niedrigem Niveau».

Keine Belebung durch Binnennachfrage
«Angesichts der schwachen Entwicklung bei den Masseneinkommen kann eine nachhaltige Belebung von Wachstum und Arbeitsmarkt durch den Schlüsselfaktor Binnennachfrage nicht gelingen», kommentierte Schäfer. Das vergrößere die Risiken für die Konjunkturentwicklung.

«Die Politik der Bundesregierung schmälert vor allem niedrige Einkommen erneut», kritisierte Schäfer mit Verweis auf die Mehrwertsteuer- Erhöhung und die Gesundheitsreform. Das widerspreche dem selbst gesteckten Ziel, Armut wirksam zu bekämpfen und auch Kindern aus benachteiligten Familien bessere Bildungschancen zu eröffnen. Der Experte erwartet, dass vielmehr die ohnehin schon hohe Armutsquote von derzeit 20 Prozent der Bevölkerung weiter steigen werde. (nz)