netzeitung.deHöhere Steuer «Programm für Schwarzarbeit»

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Beim Tapezieren (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Beim Tapezieren
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Die Schwarzarbeit wird wegen der höheren Mehrwertsteuer spürbar zunehmen, meint der Fachmann Schneider. Er sieht in der Schattenwirtschaft aber auch eine «Stütze des Wohlstands» und rät von härteren Strafen ab.

Der Schattenwirtschafts-Experte Friedrich Schneider sieht in der Erhöhung der Mehrwertsteuer «das größte Schwarzarbeitsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik». Der Umfang der Schwarzarbeit werde dadurch im kommenden Jahr um bis zu fünf Milliarden Euro zunehmen, sagte der Wirtschaftswissenschaftler der Nachrichtenagentur dpa.

«Der rückläufige Trend bei der illegalen Beschäftigung in Deutschland wird damit beendet sein.» Durch die Erhöhung der Steuer um drei Punkte auf 19 Prozent im kommenden Januar «werden Putzfrau, Friseuse, Maler und Fliesenleger teurer», sagte Schneider. Viele Anbieter dieser Dienst- und Handwerksleistungen wanderten in die illegale Beschäftigung ab. Der seit drei Jahren andauernde Rückgang bei der Schwarzarbeit sei somit nur eine «Delle» gewesen.

«Stütze des Wohlstands»
In diesem Jahr wird das Volumen der Schattenwirtschaft nach Schneiders Berechnungen noch um rund 0,7 Milliarden Euro auf 345,5 Milliarden Euro sinken, das seien knapp 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Linz betrachtet Schwarzarbeit gleichwohl als «Stütze des Wohlstands» in Deutschland. Ohne Schattenwirtschaft wäre nach Schneiders Angaben im vergangenen Jahr die gesamte deutsche Wirtschaftsleistung um rund 240 Milliarden Euro geringer gewesen.

«Zwei Drittel des schwarz verdienten Geldes werden sofort wieder ausgegeben - und zwar für Dinge, die man sich sonst nicht leisten würde», sagte Schneider, «man arbeitet nicht schwarz fürs Sparbuch.» Diese «entfesselte Kaufkraft» stütze die deutsche Konjunktur, dort wo sie es am Nötigsten habe – bei der Nachfrage im eigenen Land. Viele Arbeiten würden, wenn nicht am Staat vorbei, gar nicht erbracht werden.

Anreize zur legalen Arbeit besser als Strafen
Einen klaren Verlierer hat die Schwarzarbeit aber auf jeden Fall: die Sozialversicherungsträger. «Der, der zahlt ist der Dumme.» Je mehr Menschen ihre Arbeit der Steuer und der Sozialversicherung entzögen, desto weniger Geld gebe es für den Staat, mit dem er öffentliche Aufgaben erfüllen kann.

Die Politik dürfe aber nicht mit «Krafthuberei» und härteren Strafen reagieren. «Sie muss den Anreiz schaffen, die illegale Arbeit in die offizielle Wirtschaft zu bringen», sagte Schneider. Das sei beispielsweise möglich, indem die Lohnnebenkosten gesenkt oder für Dienstleistungen oder Handwerksarbeiten nur ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz erhoben werde. «Die Steuerausfälle würden durch einen Boom in der offiziellen Wirtschaft ausgeglichen.» (nz)