Befehlsempfänger hadern mit Berufsalltag
Wer arbeitet, sagen die Statistiker, ist gesünder und glücklicher. Allerdings macht nicht jede Betätigung zufrieden. Doch welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit Menschen gerne ins Büro oder in die Fabrik gehen? Diese Frage erforscht Ulrich Winterfeld am Dresdner Berufsgenossenschaftlichen Institut Arbeit und Gesundheit.
Für ihn gilt: Als Arbeitsglück-Faktor steht an erster Stelle die Identifikation mit der eigenen Tätigkeit und dem Unternehmen. Wissenschaftlich und modern heißt das «Commitment». Das kann als «Bindung», «Verpflichtung» oder «Engagement» übersetzt werden. Ein bisschen Stolz muss mitschwingen, wenn jemand berichtet: «Ich arbeite beim Hubermann.» Wenn zudem die eigene Arbeit als wertvoll und sinnvoll betrachtet wird, fühlt sich der Mensch wohl.
Psyche an, Krankheiten haben ein leichtes Spiel.
Fortschrittliche Unternehmen bemühen sich, Druck von ihren Angestellten zu nehmen und erhöhen damit die Arbeitsfreude. Eine kreative Idee, so der Berufsgenossenschaftler Winterfeld, präsentierte jüngst die Firma Weleda. Im Schwäbisch Gmünder Werk schuf man ein Generationen-Netzwerk: «Ehemalige» unterstützen rund 750 Mitarbeiter im privaten Bereich. Etwa mit Einkäufen, Babysitten, Gartenarbeit oder dem Gang aufs Amt.
Zum großen Teil sind es Mütter, denen so geholfen wird. Den Alltag zu organisieren, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen, bleibt meist an ihnen hängen. Mit den geburtenschwachen Jahrgängen werden zunehmend Arbeitgeber um die gut ausgebildeten weiblichen Kräfte buhlen müssen. Der Betriebs- Kindergarten und die Eltern-Beratung dienen so als Lockvögel.
Bei großen Firmen dient der Bereich «Work-Life-Balance» dazu, dass Job und Familie nicht miteinander kollidieren. IBM gewährt den Angestellten etwa «Arbeitssouveränität». Lars Gielg, zuständiger Manager für den Bereich Gesundheits- und Arbeitsschutz, erklärt: «Wenn ein Mitarbeiter jeden Morgen um acht Uhr auf dem Weg zur Arbeit im Stau steht, dann kann er auch erst von zu Hause aus arbeiten und um zehn ins Büro fahren.» Und bei einem Kindergartenstreik könne die Mutter oder der Vater zu Hause mit dem Laptop arbeiten. Schließlich biete die Informations-Technologie mit Telefon-Konferenzen und Web-Meetings viele Möglichkeiten.
ein Nickerchen an.
Arbeitgeber sind keine Wohlfahrtsorganisationen, sondern an Profiten interessiert. Doch «die Investitionen in das Humankapital» lohnen sich, betont Winterfeld: Die Motivation der Mitarbeiter und ihre Gesundheit wirken sich direkt auf die Produktivität und Arbeits-Qualität aus. Es kommt zu weniger Fehlzeiten und Bewerber stehen Schlange.

