Bildung in China bald besser als in Deutschland
Damit riskiere Deutschland seine Zukunft als eine der führenden Industrienationen, hieß es. Die jährlich erscheinende Untersuchung der OECD analysiert die Entwicklung der Bildungssysteme in den 30 größten Industrienationen und konzentriert sich 2006 auf den Hochschulbereich. Zwar habe der Anteil der Hochschulabsolventen pro Jahrgang in Deutschland zwischen dem Jahr 2000 und 2004 von 19,3 auf 20,6 Prozent gesteigert werden.
Doch im OECD-Schnitt liegt die Rate mittlerweile bei 34,8 Prozent. Lediglich Tschechien, Österreich und die Türkei bilden weniger Akademiker pro Jahrgang aus als Deutschland. Der Anteil der deutschen Uni-Absolventen an der Gesamtzahl der Absolventen im OECD-Raum sei seit dem Jahr 2000 bereits von 6,8 auf 5,7 Prozent zurückgegangen, heißt es in dem Bildungsbericht.
Staaten wie Indien und China hätten ihr Bildungssystem noch rasanter ausgebaut und drohten nun, den Westen in Sachen Spitzenqualifikation zu überrunden, sagte der OECD-Bildungsexperte. Er lobte allerdings die Einführung von kürzeren Bachelor- und Master-Studiengängen. Bei den langen Studiengängen hätten 2004 nur 65 Prozent einen Abschluss erreicht, bei den kürzeren Studiengängen lag die Erfolgsquote bei 92 Prozent.
Kritik übt die OECD zudem an der Finanzausstattung des Bildungssystems sowie an einer falschen Verteilung der Mittel. Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt liege mit 5,3 Prozent deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 5,9 Prozent. Zudem finanziere der deutsche Staat den Hochschulbereich stärker als die Kindergärten. Das sei «bildungsökonomisch nicht erklärbar», da die gesellschaftlichen Erträge im Vorschulbereich besonders hoch seien.
Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer, beklagte, dass Deutschland auf wichtigen Feldern weiter an Boden verloren habe und eine Trendwende nicht in Sicht sei. Bundesbildungs-Staatssekretär Andreas Storm sagte, Deutschland müsse «einen Zwischenspurt einlegen». Angesichts sinkender Schülerzahlen müsse Deutschland «alle Begabungsreserven mobilisieren». (nz)

