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Bildung in China bald besser als in Deutschland

12. Sep 2006 14:05, ergänzt 15:16
Studenten im Hörsaal
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Die deutschen Schulen und Universitäten bilden nach wie vor viel zu wenig Abiturienten und Akademiker aus. Deutschland riskiere seine Zukunft als eine der führenden Industrienationen, warnt die OECD.

Seit der Pisa-Studie ist bekannt: Um die deutsche Schulbildung steht es nicht zum Allerbesten. Doch auch von den Hochschulen gibt es jetzt alarmierende Nachrichten: Deutschland hat bei der Ausbildung von Hochqualifizierten den Anschluss an die anderen OECD-Staaten verloren, wie aus der am Dienstag in Berlin veröffentlichen Studie «Bildung auf einen Blick» der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht.

Damit riskiere Deutschland seine Zukunft als eine der führenden Industrienationen, hieß es. Die jährlich erscheinende Untersuchung der OECD analysiert die Entwicklung der Bildungssysteme in den 30 größten Industrienationen und konzentriert sich 2006 auf den Hochschulbereich. Zwar habe der Anteil der Hochschulabsolventen pro Jahrgang in Deutschland zwischen dem Jahr 2000 und 2004 von 19,3 auf 20,6 Prozent gesteigert werden.

Doch im OECD-Schnitt liegt die Rate mittlerweile bei 34,8 Prozent. Lediglich Tschechien, Österreich und die Türkei bilden weniger Akademiker pro Jahrgang aus als Deutschland. Der Anteil der deutschen Uni-Absolventen an der Gesamtzahl der Absolventen im OECD-Raum sei seit dem Jahr 2000 bereits von 6,8 auf 5,7 Prozent zurückgegangen, heißt es in dem Bildungsbericht.

Bachelor-Studiengänge erfolgreicher

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OECD-Bildungskoordinator Andreas Schleicher sagte, es gebe einen «dramatischen Anstieg des Bedarfs von Spitzenqualifikationen» in allen Industrienationen. Andere Staaten hätten darauf viel schneller und umfassender reagiert als Deutschland. Die Bundesrepublik bilde nach wie vor zu wenig Akademiker und Abiturienten aus. «Wenn man berücksichtigt, dass künftig geburtenschwache Jahrgänge die Schule verlassen, wird Deutschland den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften so nicht befriedigen können», warnte Schleicher.

Staaten wie Indien und China hätten ihr Bildungssystem noch rasanter ausgebaut und drohten nun, den Westen in Sachen Spitzenqualifikation zu überrunden, sagte der OECD-Bildungsexperte. Er lobte allerdings die Einführung von kürzeren Bachelor- und Master-Studiengängen. Bei den langen Studiengängen hätten 2004 nur 65 Prozent einen Abschluss erreicht, bei den kürzeren Studiengängen lag die Erfolgsquote bei 92 Prozent.

Mittel schlecht verteilt

Schleicher betonte, die Nationen mit den meisten Hochschulabsolventen zeichneten sich durch ein flexibleres Bildungssystem aus. Die Übergänge von Ausbildungen an Hochschulen sei fließend, die Trennung zwischen theoretischer und praktischer Ausbildung nicht so scharf wie in Deutschland. Er wies zudem darauf hin, dass in Deutschland nur zwölf Prozent der arbeitenden Bevölkerung an Weiterbildungen teilgenommen hätten. Der OECD-Durchschnitt liege bei 18 Prozent. Allerdings sei der Zeitaufwand für Fortbildung in Deutschland oft höher als im Ausland.

Kritik übt die OECD zudem an der Finanzausstattung des Bildungssystems sowie an einer falschen Verteilung der Mittel. Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt liege mit 5,3 Prozent deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 5,9 Prozent. Zudem finanziere der deutsche Staat den Hochschulbereich stärker als die Kindergärten. Das sei «bildungsökonomisch nicht erklärbar», da die gesellschaftlichen Erträge im Vorschulbereich besonders hoch seien.

Frei werdende Schulmittel für Kindergärten

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD), nahm die Studie als Beweis, «dass sich unsere Bildungspolitik in die richtige Richtung entwickelt». Sie forderte aber, die auf Grund der sinkenden Schülerzahlen frei werdenden Bildungsmittel in die vorschulische Bildung und die Hochschulen zu investieren.

Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer, beklagte, dass Deutschland auf wichtigen Feldern weiter an Boden verloren habe und eine Trendwende nicht in Sicht sei. Bundesbildungs-Staatssekretär Andreas Storm sagte, Deutschland müsse «einen Zwischenspurt einlegen». Angesichts sinkender Schülerzahlen müsse Deutschland «alle Begabungsreserven mobilisieren». (nz)

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