05. Sep 2006 20:45
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat gänzlich andere Vorstellungen zum Kombilohn als seine Kollegen im Sachverständigenrat. Er will in Kürze ein Minderheitsgutachten vorstellen.
Wirtschaftsexperte Bofinger hat sich klar gegen das von seinen Kollegen im Sachverständigenrat vorgestellte Kombilohn- Modell gestellt. Nach einem Bericht des «Kölner Stadt-Anzeigers» will er in der kommenden Woche ein Minderheitsgutachten vorlegen, das in wichtigen Punkten von der Studie der übrigen Mitglieder des Sachverständigenrats abweicht.Bofinger lehnt demnach vor allem die Forderung nach einer drastischen Kürzung des Arbeitslosengeldes II (ALG II) ab. Stattdessen schlägt er dem Bericht zufolge die Einführung einer negativen Einkommensteuer vor, die Tätigkeiten im Niedriglohnbereich mit 14 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt bezuschussen würde. Die notwendigen Mittel sollen aufgebracht werden, indem der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung nicht wie beschlossen pauschal um zwei Prozent reduziert wird, sondern lediglich für die untersten Einkommensstufen.
Der Ökonom will anders als seine Kollegen die Höhe des ALG II beibehalten, dafür aber Mini- und Ein-Euro-Jobs komplett abschaffen. Damit würden Arbeitseinkommen vom ersten Euro an sozialversicherungspflichtig. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hatte zuvor laut einem Medienbericht in einem Gutachten eine deutliche Kürzung des Arbeitslosengeld (ALG) II bei gleichzeitiger Ausweitung der Hinzuverdienstmöglichkeiten gefordert. So könnten rund 350.000 neue Stellen für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitlose entstehen. (nz)