20.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Ärzte-Demo in Rostock
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Ärztestreiks gehen voraussichtlich in der kommenden Woche weiter - diesmal protestieren die kommunal beschäftigten Mediziner. Ostdeutsche Ärzte sehen sich außerdem durch den Tarifkompromiss mit den Ländern verkauft.
Nach der Einigung über höhere Gehälter für Ärzte an von den Ländern getragenen Kliniken wird voraussichtlich am kommenden Montag ein noch größerer Streik der Mediziner an kommunalen Krankenhäusern beginnen. Eine entsprechende Entscheidung der Großen Tarifkommission des Marburger Bunds (MB) sei «sehr wahrscheinlich», heißt es in Kreisen der Ärztegewerkschaft.
Die rund 40 Mitglieder der Tarifkommission wollen am Dienstagnachmittag in Berlin zusammenkommen und über einen Streik an den kommunalen Krankenhäusern abstimmen. Die Gespräche mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) waren vor eineinhalb Wochen abgebrochen worden. Die Arbeitgeber haben den Medizinern einen Tarifabschluss auf Grundlage des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst angeboten.
Kommunen haben kein GeldDer Marburger Bund verlangt dagegen einen arztspezifischen Tarifvertrag auf Grundlage der Einigung für die Ärzte an den Unikliniken vom vergangenen Freitag. Die Kommunen begründen ihre Ablehnung mit der finanziellen Notlage der Städte und Gemeinden. Überdies wird die Tarifkommission über eine Annahme des mit den Ländern gefundenen Tarifabschlusses abstimmen. Mit einer Zustimmung wird gerechnet.
Unterdessen wächst unter ostdeutschen Ärzten der Protest gegen den Tarifkompromiss: Als «grobe Ungerechtigkeit» bezeichnete Andreas Crusius, Vizepräsident der Bundesärztekammer, den Tarifabschluss. «Es kann nicht sein, dass 17 Jahre nach der Wende unterschiedliche Tarife gezahlt werden», sagte Crusius der «Frankfurter Rundschau». So sollen Berufsanfänger in den neuen Ländern monatlich 400 Euro weniger bekommen als ihre Kollegen im Westen. «Beim leitenden Oberarzt beträgt der Unterschied sogar 900 Euro», kritisierte Crusius. Außerdem bekämen ostdeutsche Ärzte die nächste Gehaltserhöhung später als Westärzte. «Für die Ärzte ist das eine Ohrfeige als Dank, dass sie die neuen Bundesländer nicht verlassen haben.»
Crusius: Ärzte werden auswandernViele ostdeutsche Ärzte würden den jüngsten Tarifabschluss zum Anlass nehmen, nach Südwestdeutschland oder nach Skandinavien auszuwandern, schätzte Crusius. Zudem rechnet er mit Mitgliederverlusten beim Marburger Bund. «Im Osten wird es zu Massenaustritten von Kolleginnen und Kollegen kommen. Sie sind genauso verkauft worden wie die ostdeutschen Verdi-Mitglieder von Verdi-Chef Bsirske», sagte Crusius. Für ihn sei ein eigener Tarifvertrag für Ärzte genauso wichtig wie die Anpassung der Ost- an Westgehälter. «Wir sind alle Ärzte und behandeln die gleichen Patienten.»
Weil für eine Annahme des Tarifabschlusses nur die Zustimmung von einem Viertel der MB-Mitglieder erforderlich ist, sieht Crusius indes keine Chance, den für ostdeutsche Ärzte nachteiligen Kompromiss abzuwenden. (nz)