Bundestag verschärft Regeln für ALG II
01.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Bereits bei einer ersten Weigerung beträgt die Kürzung von ALG II, Wohn- und Heizgeld 30 Prozent. Lehnt ein Langzeitarbeitsloser auch ein zweites Angebot ab, droht ihm eine Kürzung von 60 Prozent. Beim dritten Nein kann die Unterstützung komplett gestrichen werden.
Von den rund 70 Änderungen an der bisherigen Regelung sind auch die so genannten Bedarfsgemeinschaften betroffen. Demnach werden künftig alle Personen, die länger als ein Jahr zusammenwohnen, als Bedarfsgemeinschaft eingestuft. Um die vollen Leistungen zu bekommen, muss ein Langzeitarbeitsloser nun nachweisen, dass er mit seinen Mitbewohnern keine auf Dauer angelegte Gemeinschaft bildet.
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) bezifferte die Einsparungen unter Einbeziehung der bereits im März beschlossenen Hartz-IV- Korrektur auf 3,8 bis vier Milliarden Euro. Die nun verabschiedete Novelle soll Anfang August in Kraft treten. Die Wirksamkeit soll bereits im Herbst überprüft werden.
Der Minister betonte, dass es bei den Änderungen nicht um Leistungskürzungen gehe. Es bleibe beim Regelsatz von 345 Euro für Arbeitslosengeld-II-Empfänger. Auch Wohngeld und private Altersvorsorge sowie Autos der Leistungsbezieher würden angetastet. Vorwürfe, bei Hartz IV habe es eine Kostenexplosion gegeben, wies Müntefering zurück. Die Ausgaben seien «unter Kontrolle».
Die FDP als größte Oppositionsfraktion lehnte die Korrekturen ab. «Für Halbherzigkeiten heben wir nicht unsere Hand», sagte der Abgeordnete Heinrich Kolb. Die Liberalen forderten eine vollständige Revision der Reform.
Für seinen drastischen Protest gegen die seiner Meinung nach ungerechte Behandlung von Arbeitslosen handelte sich der WASG-Vorsitzende Klaus Ernst einen Ordnungsruf ein: Er hatte eine eine Fußfessel auf die Regierungsbank gelegt.
Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Fritz Kuhn, sagte, Dauerarbeitslose würden zu wenig gefördert. Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sei jedoch richtig gewesen, verteidigte er das ehemals rot-grüne Reformprojekt. (nz)

