Netzeitung: In der Debatte entsteht der Eindruck, es gehe nur darum, den deutschen Sozialstaat in Misskredit zu bringen.Hickel: Ja. Die Öffentlichkeit ist über das miserabel organisierte Gesetz zu Recht empört. Die Schuld gibt die Politik jedoch den Langzeitarbeitslosen. Für manche ist dies ein gefundenes Fressen, noch mal eine Attacke auf den Sozialstaat zu führen.
Netzeitung: Gerade die Union versucht, die Schuld für die Misere am Arbeitsmarkt den Arbeitslosen selbst zu geben.
Hickel: Es ist eine üble Inszenierung. Die Große Koalition - maßgeblich Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber – heizt die Debatte immer wieder an. Die Opfer der Arbeitsmarktkrise werden zu Tätern stilisiert. Das ist eine perfide Situation.
Netzeitung: Im Mai ist die Zahl der Arbeitslosen immerhin um 250.000 zurückgegangen.
Hickel: Die Politik stellt Hartz IV als Lösung für die Probleme am Arbeitsmarkt dar. Dabei ist es genau das Gegenteil: Es geht nur um das richtige Management von Arbeitslosen. Überhaupt nicht mehr diskutiert wird, wie in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen werden können. Die aktuelle Debatte ist nur ein massives Ablenkungsmanöver.
Das Gespräch führte Marcus Gatzke.