Streit um «Milliardengrab» Hartz IV: Höhere Neuverschuldung abgelehnt:
Bund gegen Neuverschuldung wegen Hartz IV
30.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
So müssten in diesem Jahr Mehrkosten beim ALG II in Milliardenhöhe ausgeglichen werden, deren genaue Höhe steht indes noch nicht fest. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa soll die Lücke unter anderem durch geringere Eingliederungszuschüsse geschlossen werden. Allein durch das so genannte Fortentwicklungsgesetz seien überdies in diesem Jahr 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro einzusparen, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen. Mit dem Fortentwicklungsgesetz sollen beispielsweise durch einen Datenabgleich der Behörden Fälle aufgedeckt werden, in denen Arbeitslose zu Unrecht ALG II bezogen haben. Außerdem soll die Arbeitswilligkeit der Erwerbslosen durch ein Sofortangebot getestet werden.
Zur Gegenfinanzierung von Mehrkosten beim ALG II könnten außerdem andere Arbeitsmarktmittel «umgeschichtet» werden, hieß es in Koalitionskreisen. So könnten beispielsweise Minderausgaben für das ALG I als Puffer verwandt werden. Zunächst werde aber die Haushaltesentwicklung des Jahres abgewartet.
Unterdessen wird die geplante Neuverschuldung abschließend an diesem Donnerstag auf der so genannten Bereinigungssitzung des Haushaltsschusses festgelegt. Dann soll auch der Bundeshaushalt für das laufende Jahr beschlossen werden. Die Arbeitsmarktkosten und Bundeszuschüsse zur Rentenversicherung sollen indes schon am Mittwoch im Haushaltsausschuss behandelt werden.
Die Behauptung, die Reformen seien gescheitert und würden zu massenhaftem Missbrauch führen, sei «schlicht und ergreifend falsch», mahnte Struck. Dies müsse der Koalitionspartner einsehen. Struck erinnerte auch daran, dass Hartz IV gemeinsam von der damaligen rot-grünen Bundesregierung und der Opposition im Vermittlungsausschuss beschlossen wurde. «Bei manchen in der Union hat man den Eindruck, sie wären damals im Vermittlungsausschuss nicht dabei gewesen.»
Auch die Linkspartei übte Kritik an den Hartz-Reformen. «Hartz IV ist gescheitert», sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion, Dagmar Enkelmann. «Wenn etwas teurer ist, als man gedacht hat, dann hat man sich geirrt», sagte der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi. «Dann ist die Regierung schuld und nicht die Bedürftigen», fügte er indes hinzu.

