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Deutschland bis 2030 ohne Vollbeschäftigung

02. Apr 2006 21:29
Arbeitslose
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Für die deutsche Wirtschaft sieht es laut einer neuen Studie weiterhin nicht gut aus. Noch knapp 25 Jahre könne das Land seine Wachstumsschwäche nicht überwinden.

Die deutsche Wirtschaft wird laut einer Studie des Schweizer Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos noch lange Zeit schwächeln. Im Jahr 2030 dürfte die Zahl der Arbeitslosen noch immer über zwei Millionen liegen, berichtete das «Handelsblatt» in einem exklusiven Vorabbericht.

Das Land könne seine Wachstumsschwäche vorerst nicht nachhaltig überwinden, heißt es darin: Mehr als ein Wachstum von 1,4 Prozent pro Jahr sei langfristig nicht möglich, so die 700 Seiten umfassende Untersuchung mit dem Titel „Prognos Deutschland Report 2030“.

Jobs für Ungelernte verschwinden

Zwar steige das reale Pro-Kopf-Einkommen bis 2030 insgesamt um mehr als 40 Prozent. Aber „Wachstumsraten wie in den siebziger Jahren wird Deutschland auch in fernerer Zukunft nicht mehr erreichen“, heißt es in der Studie.

Die Arbeitsmarktchancen für gering Qualifizierte werden sich laut Prognos durch Rationalisierung, Strukturwandel und Globalisierung in jedem Fall weiter deutlich verschlechtern. Millionen Jobs für Un- und Angelernte würden verschwinden.

Land braucht Niedrigkohnsektor

„Langfristig wird die Arbeitslosigkeit dennoch deutlich sinken“, sagt Prognos-Geschäftsführer Christian Böllhoff. Grund dafür sei aber nicht die wirtschaftliche Dynamik, sondern der demografische Wandel: Durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft sinke die Zahl der Erwerbspersonen in den nächsten Jahrzehnten deutlich.

Für 2030 erwartet Prognos rund 2,3 Millionen Arbeitslose, die Arbeitslosenquote dürfte dann bei 5,9 Prozent liegen. Diese Prognose fußt auf der Annahme, dass die Politik ab 2010 einen funktionierenden Niedriglohnsektor schafft. Sonst würde die Arbeitslosenquote bis 2015 auf dem heutigen Niveau verharren und erst danach rein demografisch bedingt zurückgehen.

Rentenbeitrag bis 25 Prozent

Die Beitragssätze zur Renten-, Kranken-, und Pflegeversicherung werden laut Prognos zum Teil dramatisch ansteigen. Der Rentenbeitragssatz wird 2030 voraussichtlich bei über 25 Prozent liegen, bei der Pflegeversicherung sind es mehr als drei Prozent. Die Verschuldung des Staates steigt weiter an, auch langfristig bleibt sie in Relation zum Bruttoinlandsprodukt bei fast 70 Prozent und verletzt damit dauerhaft ein Maastricht-Kriterium.

Die Globalisierung gewinnt für die Wirtschaftsstruktur weiter an Bedeutung. Vor allem die Dienstleistungen werden vom Strukturwandel profitieren. Dort entstehen bis 2030 rund 1,5 Millionen zusätzliche Jobs. Im produzierenden Gewerbe dagegen geht in den nächsten 25 Jahren fast jeder vierte Job verloren – die Zahl der Beschäftigten sinke von über zehn auf unter acht Millionen.

Osten bleibt zurück

Die neuen Bundesländer bleiben auf Dauer zurück: Mit Ausnahme von Sachsen und Thüringen wird die Wirtschaftsleistung im Osten noch langsamer zulegen als im Westen. Auch der demografische Wandel trifft die neuen Länder härter: In den nächsten 25 Jahren wird dort laut Prognos die Zahl der Einwohner um zwei Millionen sinken. (nz)

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