Metaller bundesweit im Warnstreik
29.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Metaller bundesweit im Warnstreik
Nach einer Reihe von Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie hat Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser eine rasche Lösung des Tarifstreits gefordert. Die IG Metall kündigte derweil eine Ausweitung der Proteste an.
Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, verlangt ein schnelles Ende des Tarifkonfliktes in der Metall- und Elektroindustrie. «Unsere Industrie ist weltweit eingebunden, sie hat Verpflichtungen gegenüber den Kunden in aller Welt und deshalb müssen wir zu sehr schnellen Lösungen kommen», sagte er am Mittwoch im ZDF. Eine «solch lange Hängepartie» wie im Tarifstreit im Öffentlichen Dienst könne man sich nicht leisten.
Die Arbeitgeber hätten ein «relativ detailliertes Konzept» vorgelegt, betonte Kannegiesser. Darin habe man unter anderem erklärt, «dass es aus unserer Sicht Lohnerhöhungen geben wird» und die Branche «wie keine andere in Deutschland auf dem Weg immer weiterer Internationalisierung ist, dass wir dabei unsere Belegschaft mitnehmen wollen».
Bundesweite Warnstreiks Mit dem Auslaufen der Friedenspflicht in der Nacht zu Mittwoch protestierten bundesweit über 10.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie für eine fünfprozentige Lohnerhöhung. Ganze Nachtschichten legten nach Angaben der IG Metall zeitweise die Arbeit nieder und versammelten sich zu Kundgebungen. Die Gewerkschaft zeigte sich mit der Beteiligung sehr zufrieden. Die Beschäftigten erwarteten endlich ein vernünftiges Angebot, hieß es.
Allein vor den Ford-Werken in Saarlouis kamen rund 3000 Menschen aus etwa zehn Betrieben zu einer zentralen Kundgebung zusammen und ließen die Produktion mehr als eine Stunde lang stillstehen. Unter dem Motto «Feuer und Flamme für fünf Prozent» forderten sie bei der bundesweit größten Aktion von den Arbeitgebern Bewegung im Streit um mehr Lohn und Gehalt. IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte: «Es geht nicht nur um fünf Prozent, sondern auch um die Frage, ob wir uns wehren gegen einen ungezügelten Kapitalismus.»
Erhebliche Ausweitung angedrohtDie IG Metall kündigte für den heutigen Mittwoch eine erhebliche Ausweitung der Aktionen angekündigt. Allein in Bayern hat die Gewerkschaft 9500 Beschäftigte in 15 Betrieben aufgerufen, im Tagesverlauf vorübergehend die Arbeit niederzulegen. Die größten Aktionen sollen bei BMW in Regensburg und beim Hausgerätehersteller Bosch Siemens in Dillingen stattfinden. «Wir wollen nicht nur psychologischen, sondern auch ökonomischen Druck entfalten», sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte Horst Lischka.
In Niedersachsen sollen die Warnstreiks auf sechzehn weitere Betriebe ausgedehnt werden, unter anderem Miele in Lehrte, Bosch Blaupunkt in Hildesheim und Siemens in Braunschweig. In Rheinland-Pfalz ist unter anderem ein Warnstreik bei DaimlerChrysler in Wörth mit mehreren tausend Teilnehmern geplant. In Hamburg wollen bei der Traditionswerft Blohm & Voss die Mitarbeiter am Mittwochmorgen für zwei Stunden die Arbeit niederlegen. Auch in Hessen, Baden- Württemberg und vor allem in Nordrhein-Westfalen sollen die Warnstreiks ausgedehnt werden.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt kritisierte die Aktionen. Die Warnstreiks erschwerten einen Tarifabschluss, sagte Hundt der «Berliner Zeitung». Die IG Metall setze «offen auf Eskalation, anstatt konstruktiv am Verhandlungstisch eine Lösung in der Tarifrunde zu suchen». (nz)