Ärzte setzen Streik aus
17.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Ärzte setzen Streik aus
Die Mediziner an den Unikliniken haben ihren Streik vorerst unterbrochen - aus Kostengründen. Kommende Woche soll der Arbeitskampf ausgeweitet werden.
Die Ärzte an den Unikliniken setzen ihre Streiks zunächst weitgehend aus. Wie die Ärztegewerkschaft Marburger Bund am Donnerstagabend mitteilte, wird der Arbeitskampf am Freitag lediglich an der Heidelberger Universitätsklinik fortgeführt. Am Vormittag sind den Angaben nach ein Protestmarsch in der Innenstadt und eine Kundgebung geplant. Ab kommendem Montag sollen die Streiks dann wieder auf mehrere Krankenhäuser bundesweit ausgeweitet werden.
«Wir wissen, dass die Kliniken den Streiks nicht lange standhalten können», sagte ein Sprecher des Marburger Bundes der «Berliner Zeitung». Bei den Kliniken komme es durch den Arbeitskampf zu erheblichen Einnahmeausfällen. Unterschiedlichen Angaben zufolge fehlten jeder bestreikten Klinik dadurch täglich Einnahmen von 300.000 und 500.000 Euro.
Mehrkosten nicht finanzierbarAm Donnerstag hatten rund 4000 Ärzte aus zehn Städten auf einer zentralen Kundgebung in Mainz demonstriert. Die Ärzte verlangen 30 Prozent mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen. «Es ist nicht vertretbar, dass unser Einkommen dauernd sinkt, während sich die Verwaltungsdirektoren die Taschen voll stopfen», kritisierte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery.
Der CSU-Gesundheitspolitiker Max Straubinger kritisierte in der «Berliner Zeitung» den Ärztestreik: «Ärzte sind bei ihren Verdiensten nicht unterprivilegiert. Und die Arbeitsbedingungen sind auch nicht so unmenschlich, wie sie dargestellt werden.» SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte in dem Blatt vor Mehrkosten von drei Milliarden Euro, falls sich die Klinikärzte mit ihren Forderungen durchsetzen sollten.
Abwanderung ins AuslandGewerkschaftschef Montgomery warnte indes vor dem Abwandern junger Mediziner ins Ausland. «Unsere besten Leuten gehen weg», sagte er am Donnerstagabend in Mainz. Viele junge Mediziner seinen von den Zuständen in den deutschen Kliniken frustriert. Zudem gebe es in Ländern wie England oder der Schweiz weitaus bessere Arbeitsbedingungen und deutlich mehr Lohn, betonte Montgomery. (nz)