19.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
IG-Metall-Vorsitzender Jürgen Peters (l.) mit seinem Vize Berthold Huber
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
IG-Metall-Chef Peters geht davon aus, dass die anstehenden Tarifverhandlungen für die Arbeitgeberseite eine herbe Enttäuschung werden: Die Unternehmen überschätzten die Verzichtsbereitschaft der Beschäftigten.
Die IG Metall weist Angebote der Arbeitgeber von 1,2 Prozent mehr Lohn zurück. «Das glaubt doch kein Mensch, dass wir die Tarifrunde auf diesem Niveau abschließen», sagte Gewerkschafts- Vorsitzender Jürgen Peters am Donnerstag in Saarbrücken. Auch Einmalzahlungen statt einer längerfristig angelegten Lohnerhöhung lehnte Peters ab. Ein solcher Bonus sei oft eine Lösung. Einmalzahlungen dürften aber nicht zum System werden, betonte er.
Hintergrund sind die am 8. Februar beginnenden Tarifverhandlungen in der Metallindustrie. Der Vorstand der IG Metall wird am Freitag die Forderungen festlegen. Nachdem sich die Tarifkommission in allen Bezirken für eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um fünf Prozent gestimmt hatte, gilt ein Ja des Vorstands als sicher.
Arbeitgeber irren sichDie Gewerkschaft stellt sich auf schwierige Verhandlungen ein: Die Arbeitgeberseite arbeite «systematisch auf einen Konflikt hin», warnte Peters. Die mit großen Kampagnen geforderte Verzichtsmentalität solle nun offenbar Früchte tragen. Die Arbeitgeber weckten damit aber falsche Erwartungen über die Verzichtsbereitschaft der Beschäftigten, kritisierte der Gewerkschaftschef.
Betriebliche Öffnungsklauseln lehnte Peters ab. Die IG Metall helfe in Einzelfällen bei der Sicherung von Standorten und Arbeitsplätzen mit befristeten Abweichungen vom Flächentarifvertrag. Die Gewerkschaft sei aber nicht bereit, «das gesamte Lohnniveau über Öffnungsklauseln runterzufahren». Den «freien Fall nach unten» werde die Gewerkschaft nicht akzeptieren, betonte der IG-Metall-Vorsitzende.
Pflicht zur Weiterbildung Neben deutlichen Lohnsteigerungen will die Gewerkschaft auch einen Tarifvertrag für Qualifizierung durchsetzen. Jeder Arbeitnehmer soll demnach Anspruch auf Weiterbildung haben. Unternehmen sollen verpflichtet werden, dem Betriebsrat entsprechende Pläne vorzulegen.
IG-Metall-Vize Berthold Huber warf den Arbeitgebern unterdessen vor, moderate Lohnabschlüsse der Vergangenheit nicht honoriert zu haben. Die Arbeitgeber hätten ihre Zusagen, mehr Beschäftigung zu schaffen, nicht eingehalten, kritisierte er: Die Annahme, «je tiefer die Löhne, desto sicherer die Beschäftigung», stimme nicht, argumentierte Huber. (nz)