Dänemark sucht den letzten Arbeitslosen
09.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Ganzseitig hat Dänemarks größte Zeitung «Jyllands-Posten» ihren Lesern per Schlagzeile und Karikatur akuten Arbeitskräftemangel als das derzeit einzige echte Wirtschaftsproblem im boomenden Königreich präsentiert. «Die Jagd auf den letzten Arbeitslosen» sei schon im Gange, hieß es zum Wochenauftakt in der Schlagzeile über dem Bild eines gähnend leeren und selbst 'arbeitslos' gewordenen Arbeitsamtes.
«Der massive Privatverbrauch in der zweiten Hälfte 2005 hat unsere Prognosen über den Haufen geworfen», freut sich Chefökonom Steen Bocian von der Danske Bank. Auf plus 4,4 Prozent korrigierte das größte Geldinstitut im Land die Erwartungen für die Steuereinnahmen zum Jahresende nach oben. Finanzminister Thor Pedersen rechnet außerdem auch 2006 wieder mit einem Plus von 30 Milliarden dänische Kronen (rund vier Milliarden Euro) in der Staatskasse und das nach vier Jahren ohne Steuererhöhungen.
Tatsächlich hat nicht zuletzt der stark durch Kredite finanzierte Anstieg des Privatkonsums die dänische Konjunktur mit einem Wirtschaftswachstum von laut Finanzministerium wahrscheinlich 2,8 Prozent im letzten Jahr enorm in Schwung gehalten. Die Immobilienpreise haben sich in den letzten 15 Jahren vor allem in und um Kopenhagen fast verdreifacht. Auch für die Nutznießer dieser dramatischen Vermögenszuwächse ohne Arbeitsleistung hatte Rasmussen in seiner Neujahrsansprache Beruhigendes zu vermelden: «Hauseigentümer müssen nicht mehr Steuern befürchten, wenn der Wert ihres Wohnraumes zunimmt.»
Umso mehr wird in Kopenhagen davor gewarnt, dass «Flaschenhals- Probleme» am Arbeitsmarkt die seit den neunziger Jahren praktisch ohne Pause kräftig nach oben drängenden Boom-Kurven zum Einknicken bringen könnten. Rasmussen will mit der Schaffung von attraktiven Vorruhestandsmodellen und der erneuten Anhebung des Rentenalters von derzeit 65 Jahren langfristig gegenhalten. Als «Wermutstropfen» unter all den sonstigen Freudenbotschaften kündigte Rasmussen das in seiner Neujahrsansprache an. (dpa)

