netzeitung.deDänemark sucht den letzten Arbeitslosen

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Militärparade vor Schloss Amalienborg in Kopenhagen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Militärparade vor Schloss Amalienborg in Kopenhagen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Konsumlust der Verbraucher beschert Dänemark ein kräfiges Plus bei Staatseinnahmen und Wirtschaftswachstum. Großzügige Vorruhestandsregelungen sollen dafür sorgen, dass der Boom am Arbeitsmarkt anhält.

Von Thomas Borchert

Ganzseitig hat Dänemarks größte Zeitung «Jyllands-Posten» ihren Lesern per Schlagzeile und Karikatur akuten Arbeitskräftemangel als das derzeit einzige echte Wirtschaftsproblem im boomenden Königreich präsentiert. «Die Jagd auf den letzten Arbeitslosen» sei schon im Gange, hieß es zum Wochenauftakt in der Schlagzeile über dem Bild eines gähnend leeren und selbst 'arbeitslos' gewordenen Arbeitsamtes.

«Der massive Privatverbrauch in der zweiten Hälfte 2005 hat unsere Prognosen über den Haufen geworfen», freut sich Chefökonom Steen Bocian von der Danske Bank. Auf plus 4,4 Prozent korrigierte das größte Geldinstitut im Land die Erwartungen für die Steuereinnahmen zum Jahresende nach oben. Finanzminister Thor Pedersen rechnet außerdem auch 2006 wieder mit einem Plus von 30 Milliarden dänische Kronen (rund vier Milliarden Euro) in der Staatskasse – und das nach vier Jahren ohne Steuererhöhungen.

Dänen feiern ein «Kauffest»
Nach einem beispiellosen «Kauffest» der schon seit Jahren optimistischen Verbraucher zu Weihnachten fasste der rechtsliberale Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen in seiner Neujahrsansprache zusammen: «Ja, es läuft gut in Dänemark.» Der von ihm beim Amtsantritt Anfang 2002 verkündete «Steuerstopp», ein prinzipielles Verbot von Steuererhöhungen», habe jeder dänischen Durchschnittsfamilie ein jährliches Plus von umgerechnet 1350 Euro in die Haushaltskasse gebracht. Gleichzeitig habe man mit gut fünf Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote seit 1979 erreicht.

Tatsächlich hat nicht zuletzt der stark durch Kredite finanzierte Anstieg des Privatkonsums die dänische Konjunktur mit einem Wirtschaftswachstum von laut Finanzministerium wahrscheinlich 2,8 Prozent im letzten Jahr enorm in Schwung gehalten. Die Immobilienpreise haben sich in den letzten 15 Jahren vor allem in und um Kopenhagen fast verdreifacht. Auch für die Nutznießer dieser dramatischen Vermögenszuwächse ohne Arbeitsleistung hatte Rasmussen in seiner Neujahrsansprache Beruhigendes zu vermelden: «Hauseigentümer müssen nicht mehr Steuern befürchten, wenn der Wert ihres Wohnraumes zunimmt.»

Dänen wähnen sich reich
Auch die beneidenswert weit gehende Unabhängigkeit der Volkswirtschaft von den Energiepreisen dank des eigenen Nordseegases und die kommerziell erfolgreichen Unternehmen in industriellen Nischenbereichen passen ins Erfolgsbild. Für zusätzlichen Optimismus sorgt der sich bei der einstigen Konjunkturlokomotive Deutschland abzeichnende Aufschwung. «Es gibt hier noch Unsicherheit, aber insgesamt herrscht bei uns doch Optimismus Richtung Deutschland vor», meint Bankökonom Bocian. Der deutsche Markt ist mit einem Anteil von 20 Prozent aller dänischen Warenexporte mehr als nur eine Randfrage für die eigene Konjunktur.

Umso mehr wird in Kopenhagen davor gewarnt, dass «Flaschenhals- Probleme» am Arbeitsmarkt die seit den neunziger Jahren praktisch ohne Pause kräftig nach oben drängenden Boom-Kurven zum Einknicken bringen könnten. Rasmussen will mit der Schaffung von attraktiven Vorruhestandsmodellen und der erneuten Anhebung des Rentenalters von derzeit 65 Jahren langfristig gegenhalten. Als «Wermutstropfen» unter all den sonstigen Freudenbotschaften kündigte Rasmussen das in seiner Neujahrsansprache an. (dpa)