netzeitung.deArbeitsmarktpolitik vernichtet reguläre Jobs

 Herausgeber: netzeitung.de

Industriearbeitsplatz in Deutschland (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Industriearbeitsplatz in Deutschland
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Seit Anfang der 90er Jahre sind mehrere Millionen reguläre Jobs abgebaut worden. Dazu trage nicht nur die schwache Konjunktur, sondern auch die aktive Arbeitsmarktpolitik bei, meinen Experten.

In Deutschland ist die Zahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze in den vergangenen 15 Jahren drastisch gesunken. Das geht aus jüngsten Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Wie das zur Bundesagentur für Arbeit gehörende Institut am Mittwoch mitteilte, sind seit 1991 rund 3,8 Millionen reguläre Stellen verloren gegangen. Dadurch seien den Sozialversicherungen erhebliche Beitragseinnahmen entgangen.

Vor allem das schwache Wirtschaftswachstum in den vergangenen fünf Jahren sei mit einem «beträchtlichen Abbau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung verbunden» gewesen. Die Unternehmen reagieren den Angaben nach mit einer Verzögerung von etwa einem halben Jahr auf eine sich abschwächende Wirtschaftslage.

Konjunktur und Strukturwandel vernichten Jobs
Der Verlust an regulären Stellen sei zu einem Drittel auf die Konjunktur zurückzuführen und zu einem Viertel auf den wirtschaftlichen Strukturwandel, konstatierten die Fachleute. Um die Zahl regulärer Jobs um 0,2 Prozent zu erhöhen, müsse die Wirtschaft in der Regel um ein Prozent wachsen.

Darüber hinaus sei die Entwicklung dadurch verstärkt worden, dass gerade jene Wirtschaftsbereiche gewachsen seien, in denen sich ein deutlicher Wandel hin zu Teilzeit, Geringfügigkeit und Selbstständigkeit vollzogen habe. Das IAB verwies dabei vor allem auf öffentliche und private Dienstleister.

Nach Ansicht der IAB-Experten trägt auch die aktive Arbeitsmarktpolitik zum Strukturwandel bei. So sei die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) kräftig geschrumpft. Dagegen gab es im vergangenen Jahr im Durchschnitt rund 340.000 nicht sozialversicherungspflichtige Ein-Euro-Jobs, 110.000 mehr als noch 2004. Die Rolle der Politik sei in diesem Punkt mehrdeutig: Einerseits fördere sie geringfügige Beschäftigung, andererseits beklage sie eine Aushöhlung der Sozialversicherungssysteme durch den Wegfall regulärer Arbeitsplätze. (nz)