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DGB gegen «Zerstörungs-Management»

04. Jan 2006 11:57
DGB-Bundesvorstand Dietmar Hexel
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Fälle wie AEG und Conti würden die Arbeitnehmer in Deutschland radikaler machen, warnt DGB-Vorstand Hexel – weil sie sich durch «Industrie- und Finanzfeudalismus» bedroht sehen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fürchtet, dass «zerstörerisches Management» immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland radikalisiert. Die Menschen würden auf Dauer nicht hinnehmen, dass «Betriebe geschlossen werden, obwohl sie profitabel sind», sagte DGB-Bundesvorstand Dietmar Hexel der «Financial Times Deutschland». Als Beispiele nannte er entsprechende Pläne für die Fertigung von Pkw-Reifen des Continental-Konzerns in Hannover-Stöcken und das AEG-Hausgerätewerk in Nürnberg.

«Was da passiert, kann dazu führen, dass sich die Menschen radikalisieren, wenn es bei dieser Politik bliebt», warnte Hexel. Das könne auch Einfluss auf die Arbeit der Arbeitnehmerorganisationen haben, wenn etwa «bei Betriebsratswahlen radikalere Gruppen gewählt werden und diese die Gewerkschaftsarbeit mitbestimmen». Er kündigte an, der DGB werde «mit allem Möglichkeiten, die wir haben – Mitbestimmung, Betriebsräte, Tarifverträge – gegen Zerstörungs-Management vorgehen».

»Deutlich mehr Mitgliedsbeitritte«

Mehr in der Netzeitung:
Hexel, der im DGB-Bundesvorstand unter anderem für Mitbestimmung und Rechtspolitik zuständig ist, sieht die Gewerkschaften angesichts der Entwicklung bereits vor einer «Renaissance»: Nach Jahren des Mitgliederverlustes hätten die Gewerkschaften in den vergangenen beiden Jahren «deutlich mehr Mitgliedsbeitritte» verzeichnet. Ein Grund dafür sei, dass «die Verbitterung extrem ansteigt und das Vertrauen in die Politik abnimmt», sagte er mit Blick auf Zuschriften an den DGB.

Um eine Radikalisierung zu verhindern, schlug Hexel eine Debatte über mehr Teilhabe – «für die Mehrheit, nicht für die Minderheiten» – vor. «Das Thema Teilhabe ist das Thema der Zukunft», sagte er dem Blatt. Denn in Deutschland entstehe derzeit eine Art «Industrie- und Finanzfeudalismus durch eine Gruppe angestellter Firmenmanager, die exorbitant an Gewinn und Produktivvermögen beteiligt ist».

Köhler-Vorstoß kritisiert

Hintergrund:
Der DGB-Bundesvorstand griff damit ein Thema auf, das Bundespräsident Horst Köhler in seiner Weihnachtsrede überraschend angesprochen hatte. Hexel äußerte sich allerdings skeptisch zu Köhlers Vorschlägen, die Arbeitnehmer stärker am Gewinn ihrer Unternehmen zu beteiligen: Das dürfe nicht Ersatz für Tarifverhandlungen und Lohnsteigerungen werden, warnte er.

Zudem sei Transparenz dafür die entscheidende Voraussetzung: «Es wäre spannend zu sehen, wie das beispielsweise bei Lidl, Schlecker und Aldi eigentlich ist. Es wäre Sache der Politik, diese Transparenz als ersten Schritt durchzusetzen.» Die Discounter und die Drogerie-Kette gelten einerseits als besonders verschwiegen, andererseits werfen ihnen die Gewerkschaften vor, besonders schlechte Arbeitsbedingungen zu haben. (nz)

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