02. Jan 2006 10:56
Gerade Hoch- und Höchstqualifizierte kehren Deutschland zunehmend den Rücken und gehen in die USA. Migrationsforscher prognostizieren deshalb einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.
Der Trend zum Auswandern wächst gerade bei Hoch- und Höchstqualifizierten in Deutschland. «Deutschland ist auf dem Weg, in der Konkurrenz um die besten Köpfe auf die Verliererseite zu geraten», sagte der Migrationsforscher Klaus Bade der «Frankfurter Rundschau». Die Abwanderung der Hoch- und Höchstqualifizierten nehme zu, die Zuwanderung von Höchstqualifizierten schrumpfe hingegen.Bade sprach von einem «unerfreulichen Migrationsszenario, das man nicht schönreden oder schönrechnen sollte». «Wer in der Zeitung immer wieder die öde Botschaft liest, dass es mittelfristig zwar wirtschaftlich wieder aufwärts gehen wird, aber dennoch nicht mit einer Besserung am Arbeitsmarkt zu rechnen ist, der kommt ins Grübeln», so Bade weiter.
Die bestehende Zuwanderung nach Deutschland entspreche zudem häufig nicht den beruflichen und sozialen Anforderungen. Schon in absehbarer Zukunft sei in bestimmten Sektoren mit einem wachsenden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zu rechnen, erläuterte Bade. Vor allem bei Experten der Informationstechnologie (IT) wachse der Trend zur dauerhaften Abwanderung. Die Abwanderer befänden sich im besten Erwerbsalter und suchten nach beruflichen Chancen im Ausland. Die Zuwanderung überwiege auch weiterhin, «nur die Komponente der Fortzüge nimmt langfristig wieder zu». Ehemalige Zuwanderer kehrten in ihre Herkunftsländer zurück, einige türkische Einwanderer der zweiten Generation gingen in die Heimat der Eltern. Junge Aussiedler wanderten nach Kanada aus, während ihre Eltern in Deutschland blieben, um ihre Rente nicht zu gefährden, berichtete Bade. Dieses Problem dürfe angesichts der Alterung der Gesellschaft nicht unterschätzt werden. (nz)