Union will Kombi-Löhne möglichst schnell
«Unsere Grundthese ist, dass es genügend Arbeit in Deutschland gibt, aber nicht genügend bezahlbare Arbeit», betonte Meyer. Die Löhne sollten sich auch weitest gehend an der Produktivität orientieren. «Aber das bedeutet, dass der Staat die niedrigen Löhne über das Existenzminimum hinaus aufstocken muss.»
Die Details der Regelung - besonders die Frage, wie Lohn und Zuschuss für jeden Einzelnen festgelegt werden - müssten im ersten Halbjahr 2006 geklärt werden. Klar sei, dass es regionale Unterschiede geben werde, so Meyer weiter.
Das Geld solle aus dem Bereich Arbeitsmarktpolitik genommen werden, riet der Finanzwissenschaftler: «Dazu könnte man zum einen die Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit kürzen. Zum anderen sollte man das Arbeitslosengeld II drastisch kürzen.»
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla rechnet bei einer möglichen Einführung von Kombilöhnen nicht mit zusätzlichen Kosten. «Wir gehen davon aus, dass es aufkommensneutral finanziert werden kann», sagte Pofalla am Montag im ZDF. Der «Kombiteil» auf die Löhne werde geringer sein «als das, was wir bisher an Arbeitslosengeld II gezahlt haben».
Damit würde die Trennung in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und Minijobs aufgehoben. Mit Ausnahme der Minijobs bis 400 Euro und der Midijobs bis 800 Euro müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer für jeden Euro Lohn oder Gehalt die vollen Sozialbeiträge in Höhe von derzeit knapp 42 Prozent bezahlen. Bei der Einkommensbesteuerung gibt es dagegen einen Grundfreibetrag und danach langsam ansteigende Steuersätze.
Das Modell soll laut «Spiegel» die Sozialabgabenlast reduzieren und besonders im Niedriglohnbereich zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Die SPD werde das Konzept bereits in den kommenden Wochen debattieren, sagte der SPD-Arbeitsmarktexperte Klaus Brandner dem Magazin.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi geht davon aus, dass die Einführung von flächendeckenden Kombilöhnen viele Milliarden kosten wird. Es komme nur zu einer Umfinanzierung von Lohnbestandteilen auf Kosten der Allgemeinheit, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske der «Berliner Zeitung». (nz)

