Ombudsrat zufrieden mit Hartz IV
30.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
«Bis zu 80.000 Jugendliche, die früher von den Sozialämtern betreut wurden, werden intensiver gefördert als je zuvor», erläuterte der Ombudsmann seine positive Haltung. Zugleich widersprach er der Behauptung, Hartz IV sei ein «Verarmungsprogramm». «Wer Leistungen vom Staat erhält, muss auch etwas dafür tun.»
Keine rechtlichen Bedenken habe der Ombudsrat bei verpflichtenden Telefonbefragungen von Arbeitslosengeld-II-Beziehern durch die Behörden. «Eine Telefonbefragung ist kein Eingriff in die Intimsphäre», sagte Rappe. «Dass bei Missbrauchsverdacht nachgeforscht wird, ist doch völlig normal.» Der Bundesdatenschutz-Beauftragte Peter Schaar hatte in der Netzeitung geplante Telefonbefragungen kritisiert, da der ALG-II-Empfänger nicht wissen könne, ob der Anruf wirklich von einer Arbeitsagentur stamme. Zudem könnten sensible Daten an Dritte gelangen.
Eine noch von der rot-grünen Bundesregierung in Auftrag gegebene und offiziell noch nicht veröffentlichte Studie mehrerer Wirtschaftsforschungsinstitute bezeichnet große Teile der Hartz-Reformen als nicht geeignet zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die Reform Hartz IV wurde dabei aber nicht untersucht. Neben Kritik an den Personal-Service-Agenturen, die ähnlich wie Zeitarbeitsfirmen Arbeitslose an Unternehmen verleihen, wird in der Studie die Ich-AG ausdrücklich positiv hervorgehoben.
Nötig sei ein klarer Rahmen für den zweiten Arbeitsmarkt, forderte Rappe. Genaue Regelungen für Kombi- und Mindestlöhne seien überfällig. «Dabei muss sichergestellt sein, dass die Unternehmen nicht Lohnzuschüsse kassieren und dann vollwertige Jobs streichen. Das Tarifgefüge darf nicht ins Rutschen geraten», betonte Rappe. (nz)

