23. Dez 2005 08:57, ergänzt 09:20
Mitarbeiter des weltgrößten Einzelhändlers wurde die Mittagspause verweigert. Wal-Mart muss dafür eine Millionen-Strafe zahlen, was den Konzern aber kaum belasten dürfte.
Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart muss zehntausenden Mitarbeitern insgesamt 172 Millionen Dollar zahlen, weil er ihnen die Mittagspause verweigerte. Ein Gericht in Kalifornien erkannte einen Verstoß gegen ein Gesetz des US-Bundestaates, das jedem Mitarbeiter eine 30-minütige unbezahlte Pause sichert, wenn länger als sechs Stunden gearbeitet wird. Die Strafe setzt sich zusammen aus 57 Millionen Dollar Schadenersatz uns 115 Millionen Strafzuschlag und wird an insgesamt 116.000 momentane und frühere Mitarbeiter ausgezahlt.Mit dem Urteil des Bezirksgerichts Alameda ist nur die erste von rund 40 Sammelklagen entscheiden, die US-weit gegen den Konzern wegen Verstößen gegen Arbeitsplatzvorschriften anhängig sind. Im Bundesstaat Colorado war zuvor ein Verfahren gegen die Zahlung von 50 Millionen Dollar durch das Unternehmen beigelegt worden.
Wal-Mart erwirtschaftet im Jahr einen Überschuss von etwa zehn Milliarden Dollar. Die Auswirkungen des Urteils auf die Konzernbilanz sind damit eher gering ausfallen.
US-Gewerkschaften machen schon seit längerem gegen Wal-Mart mobil. Die Arbeitnehmerorganisationen prangerten immer wieder Fehlverhalten an. Der Konzern versucht nach Gewerkschaftsangaben, die Bildung von Arbeitnehmervertretungen zu verhindern. Erschwert wird das unter anderem durch die hohe Fluktuation: Jährlich wechselt fast die Hälfte der Belegschaft. Wal-Mart gilt als größter privater Arbeitgeber in den USA.Auch als das Unternehmen in Deutschland aktiv wurde, hatten sich Gewerkschafter skeptisch geäußert. Nicht zu unrecht, wie ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf von Mitte November: Die Richter befanden es für verfassungswidrig, dass der Konzern Liebesbeziehungen zwischen Mitarbeitern untersagt hatte. (nz)