19. Dez 2005 15:15
Die Gehälter von Frauen in Westdeutschland liegen fast ein Viertel unter denen ihrer männlichen Kollegen. Nur in Estland und der Slowakei sind die Unterschiede noch eklatanter.
In den westlichen Bundesländern werden berufstätige Frauen immer noch viel geringer vergütet als Männer. Das geht aus dem Frauen-Daten-Report 2005 des Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Der am Montag in Berlin veröffentlichten Studie zufolge erhalten Frauen im Durchschnitt 23 Prozent weniger Lohn. In Ostdeutschland sind es nur zehn Prozent. «Einen erheblichen Teil der Einkommensunterschiede erklären wir uns durch Diskriminierung», sagte Astrid Ziegler vom WSI. Denn inzwischen hätten Frauen bei der Bildung nicht nur aufgeholt, sondern ihre männlichen Kollegen überholt. Im vergangenen Jahr haben der Studie nach 40,6 Prozent der 25- bis unter 30-jährigen Frauen und 37,8 Prozent der gleichaltrigen Männer die Schule mit Abitur abgeschlossen. Bei den Hochschulabschlüssen seien die Geschlechter gleich stark vertreten.
«Am Übergang zum Beruf vollzieht sich eine Weichenstellung für die spätere schlechte Position der Frauen am Arbeitsmarkt», erklärte Anke Thiel vom WSI. Frauen konzentrierten sich auf Sozial- und Dienstleistungsberufe sowie auf kultur- und sprachwissenschaftliche Fächer, die in der Gesellschaft geringer bewertet und bezahlt würden.Dennoch lässt sich nur ein Teil der unterschiedlichen Vergütung auf die gewählten Berufe, Positionen und Branchen zurückführen. In Ostdeutschland gehe die Einkommensschere zwischen vollzeitig beschäftigten Frauen und Männern wieder auseinander. «Wir können keine Entwarnung geben», sagte WSI-Mitarbeiterin Silke Bothfeld. In den EU-Ländern gebe es nur in Estland und der Slowakei noch größere Lohnunterschiede als in Deutschland.