Arbeitslosenzahl sinkt überraschend weiter
01.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Im November steigen üblicherweise die Arbeitslosenzahlen - in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt um 55.000. Die Arbeitslosigkeit habe sich in diesem November viel günstiger entwickelt als jahreszeitlich üblich, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Allerdings haben auch das milde Wetter und der frühe Zähltermin beim Rückgang eine Rolle gespielt. Die Zahlen wurden vor dem Wintereinbruch erhoben.
«Da das Saisonbereinigungs-Verfahren solche außergewöhnliche Effekte nicht berücksichtigen kann, dürfte das saisonbereinigte Minus etwa um die Hälfte überzeichnet sein», hieß es weiter. Allerdings habe die Zahl der vom Wetter abhängigen Außenberufe «merklich weniger zugenommen» als im Durchschnitt der letzten Jahre.
Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) wertete den Rückgang der Arbeitslosigkeit im November als Bestätigung des arbeitsmarktpolitischen Kurses der Bundesregierung. In der «weiterhin zu hohen Zahl der Arbeitslosen» sieht Müntefering den «Auftrag, diesen Kurs konsequent, mutig und zuversichtlich weiter zu verfolgen». Dafür stelle der Koalitionsvertrag die Weichen.
In ganz Deutschland lag die Zahl der Erwerbslosen gegenüber November 2004 um knapp 274.000 höher. Im Oktober lag der Vorjahresabstand noch bei 349.000. Der Anstieg auf Jahressicht könne mittlerweile allein mit den Sondereffekten aus der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum 1. Januar 2005 erklärt werden, erläuterte die Bundesagentur. Im Vergleich zum Vorjahr zeigte sich allerdings ein Anstieg nur in den westdeutschen Bundesländern, wo die Zahl der registrierten Arbeitslosen um 352.000 zunahm. In den neuen Ländern nahm die Zahl gegenüber November 2004 dagegen um rund 78.600 ab.
Die unterschiedliche Entwicklung in West- und Ostdeutschland beruht nach Angaben der BA vor allem darauf, dass der Effekt der Arbeitsmarktreform Hartz IV im Westen erheblich größer ist als im Osten, weil es im Westen mehr Sozialhilfeempfänger gab, die nun als arbeitslos gezählt werden. Außerdem sinke das Arbeitskräfteangebot im Osten, während die Zahl der Jobsuchenden in Westdeutschland zunehme.
Ökonom Andreas Rees von der HypoVereinsbank sprach von einem Lichtblick. Der private Konsum dürfte angesichts dieser Entwicklung in den kommenden Quartalen leicht zulegen. Rees rechnet allerdings damit, dass in den Wintermonaten die Zahl der Erwerbslosen die Fünf-Millionen-Marke wieder überschreiten dürfte.
Auch die Bundesagentur schließt einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Winter auf fünf Millionen weiterhin nicht aus. BA-Vorstand Alt glaubt jedoch, dass aufgrund der günstigen Entwicklung im November diese Marke «nicht wesentlich überschritten werden» dürfte. Je nach Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung und der Witterung könne die Arbeitslosenzahl im Januar und Februar auch unter fünf Millionen bleiben. (nz)

