Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Steuererhöhung löst Streit um Löhne aus

15. Nov 2005 15:52
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser
Bild vergrößern
Die Arbeitgeber warnen, die Gewerkschaften drohen. Mehr als ein Jahr bevor die Große Koalition die Mehrwertsteuer erhöhen will, streitet die Wirtschaft schon über die Konsequenzen.

Die Unterschrift unter den Koalitionsvertrag ist kaum trocken - doch schon jetzt wird über die möglichen Folgen der geplanten Erhöhung der Mehrwertsteuer im Jahre 2007 heftig gestritten. Die höhere Steuer habe nichts in der Tarifrunde zu suchen, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser am Dienstag in Berlin.

Arbeitgebervertreter Kannegiesser reagierte damit auf Vorstöße der Gewerkschaften, angesichts der steigenden Steuern auch höhere Lohnforderungen in den kommenden Tarifrunden zu stellen.

Höhere Inflation erwartet

Hubertus Schmoldt
Bild vergrößern
Die Tarifpolitik orientiere sich an ökonomischen Eckdaten, zu denen auch die Inflationsrate zähle, argumntiert dagegen Hubertus Schmoldt, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Soweit eine höhere Mehrwertsteuer die Inflationsrate erhöhe, ergäben sich «natürlich» auch Auswirkungen auf die Tarifrunde.

Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass die für 2007 geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte auch die Inflation deutlich steigen lassen wird. Der Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, geht davon aus, dass die Erhöhung zu einem Inflationsanstieg von einem Prozentpunkt auf dann möglicherweise bis zu drei Prozent führen wird.

Ähnlich äußerte sich auch das Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Derzeit liegt die Inflationsrate in Deutschland bei 2,5 Prozent.

Kennegiesser befürchtet «Teufelskreis»

Mehr in der Netzeitung:
«Der Versuch, steuerliche Maßnahmen durch Tarifpolitik zu kompensieren, führt uns in einen Teufelskreis», betonte Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser. Angesichts des Ende Februar auslaufenden Tarifvertrags verwies er auf ein grundsätzliches Einvernehmen mit der Gewerkschaft, steuerliche Entscheidungen aus der Tarifpolitik herauszuhalten.

Die IG Metall will ihre konkrete Lohnforderung für die kommende Tarifrunde erst im Januar bekannt geben. Die Gewerkschaft sieht aber einen Verteilungsspielraum von vier Prozent. Unterstellt ist dabei eine Inflationsrate von zwei Prozent.

Kannegiesser betont demgegenüber, dass während der ersten zehn Monate des neuen Tarifvertrages noch die alten Mehrwertsteuersätze gelten sollen. Außerdem werde die Entlastung bei der Arbeitslosenversicherung die höhere Mehrwertsteuer in allen typischen Arbeitnehmergruppen der Branche unter dem Strich mehr als ausgleichen. Eine weitere Erosion der Wertschöpfung in Deutschland müsse verhindert werden, forderte er.

Zinsen könnten rascher steigen

Rudolf Hickel
Bild vergrößern
Mit der höheren Inflation in Deutschland und der Möglichkeit so genannter Zweirundeneffekte bei den Löhnen erhöht sich auch der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die Leitzinsen anzuheben. «Wenn jetzt von Deutschland durch die Steuererhöhung ein Inflationsimpuls auf das gesamte Euro-Land ausgeht, wird die EZB noch stärker veranlasst sein, die Zügel anzuziehen», sagte der Bremer Wirtschaftsforscher Rudolf Hickel im Interview mit der Netzeitung.

Momentan liegt das Zinsniveau im Euro-Raum bei zwei Prozent. Derzeit gib es im EZB-Rat noch keine einhellige Meinung, wann und wie schnell die Zinsen angehoben werden sollen. Die Inflationsrate in Euroland ist in den vergangenen Monaten deutlich über zwei Prozent – der Zielmarke der Zentralbank – gestiegen. Grund für die Entwicklung sind zum größten Teil die drastisch gestiegenen Energiepreise. Ein rasche Zinserhöhung durch die EZB würde die immer noch schwache deutsche Konjunktur zusätzlich belasten. (nz)

Anzeige: 

NZ-Stellenmarkt

Die größte Stellensuchmaschine mit über 300.000 Angeboten: Nutzen Sie den Stellenmarkt und finden Sie Ihren Job. weiter
 
Drucken
Versenden
  • Bookmark:
  • Mister Wong Webnews Yigg Linkarena Google My Space Del.icio.us Oneview Facebook Twitter
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
 
Handelskonzern greift nach Quelle-Marke: 
Metro liebäugelt mit Privileg
Konzern will sich fit schrumpfen: 
Dividende und Stellenabbau bei ThyssenKrupp
Zur NZ-Jobsuche
      • » Nützliche Downloads zum Thema
      • Bewerbung
      • Rechtssicher, stets aktuell, von Experten erstellt.

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Aus anderen Ressorts
Anzeigen:
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2009 NZ Netzeitung GmbH
 
Online-Vermarktung / Service: OMS Online Marketing Service
Kooperationen und Sonderwerbeformen: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT Infrastruktur & Hosting by PRODATIS CONSULTING AG