Verdi rechnet mit 200.000 fehlenden Ausbildungsplätzen in diesem Jahr
07.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Nach Ansicht des Verdi-Vorstands ist die Situation auf den Lehrstellenmarkt in diesem Jahr «so dramatisch wie seit sieben, acht Jahren nicht mehr». In Deutschland gebe «mit Stichtag Mai rund 40.000 betriebliche Ausbildungsplätze weniger als im vergangenen Jahr», sagte Werneke. «Die Ausbildungsplatzlücke liegt ungefähr bei 250.000.»
Die Wirtschaft forderte Verdi-Vorstand Werneke auf, Ausbildungsplätze «unabhängig von einem zu erwartenden Wirtschaftswachstum» bereitzustellen. «Es kann nicht sein, dass abhängig von der Konjunktur Tausende von Jugendlichen keinen Ausbildungsplatz bekommen», sagte Werneke mit Blick auf jüngste Äußerungen der Arbeitgeberverbände. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben hatte noch Mitte Mai gesagt, der Ausbildungspakt leide «unter der schlechten Stimmung und der schlechten Konjunktur». Im Rahmen des Paktes hatte sich die Wirtschaft verpflichtet, jährlich 30.000 neue Ausbildungsplätze und 25.000 Betriebspraktika anzubieten.
Zum Ende des Ausbildungsjahres im September werde es «natürlich nicht 250.000 völlig unversorgte Jugendliche geben», so der Verdi-Vorstand weiter. Viele Jugendliche, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz bekämen, würden dann in andere Stellen - wie Praktika oder außerbetriebliche Ausbildungsplätze hinein gedrängt.
«Damit sieht die Statistik am Ende etwas schöner aus», sagte er. «Das ändert aber nichts am grundlegenden Problem: dass zu viele Betriebe einfach nicht mehr ausbilden.» Die erwartete Zahl der gänzlich unversorgten Jugendlichen wird nach Aussage von Werneke zum Ende des Ausbildungsjahres «sicherlich auf unter 100.000 sinken.»
Der aktuellen Regierungskoalition habe es «nicht am Engagement einzelner Personen gemangelt». Auch bei einem möglichen Regierungswechsel im Herbst reiche es nicht, «einfach nur zu sagen, wir haben dann Minister, die eloquenter durch die Betriebe ziehen», sagte er an die Opposition gewandt.
Verdi will die Parteien im Wahlkampf zur geplanten vorgezogenen Bundestagswahl unter anderem daran messen, welche Antworten sie auf die Misere auf dem Lehrstellenmarkt geben. «Einfach ein 'Weiter so' mit dem Ausbildungspakt hat sich schon im vergangenen Jahr als nicht richtig erwiesen», so der Gewerkschaftler. «Wir brauchen andere, tragfähigere Konzepte. Das ist für uns aber auch für viele Jugendliche Bewertungsmaßstab im Wahlkampf.»

