Wirtschaftsforscher: «Regierung kann Früchte von Hartz IV nicht mehr einfahren»
27.05.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Straubhaar dämpfte die Erwartung, die Arbeitsmarktreformen könnten sich noch bis zur Wahl positiv entfalten: «Man darf die Zeit, bis Hartz IV wirkt, nicht unterschätzen» warnte er. «Es wird noch mehrere Jahre dauern, bis sich die Arbeitsmarktreformen spürbar auswirken. Die Regierung kann die Früchte der Reformen nicht mehr einfahren.» Stattdessen müsse sie «die Prügel für die derzeitige Situation einstecken».
Nach Ansicht des HWWI-Präsidenten sollte sich der Blick nicht nur auf die Arbeitslosenzahlen richten. «Wenn man auf die Zahl der Erwerbstätigen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen schaut, ergibt sich ein dramatische Bild. In den vergangenen vier Jahren sank die Zahl der Erwerbstätigen um 1,5 Millionen auf 26,4 Millionen.«
In diesem Zusammenhang kritisierte Straubhaar erneut die Ein-Euro-Jobs: «Das ist keine sinnvolle Maßnahme. Ein-Euro-Jobs verdrängen reguläre Arbeitsplätze und führen zu völlig falschen Anreizen.» Zusammen mit Kindergeld und anderen Transferleistungen könnte man mit Ein-Euro-Jobs mehr Geld verdienen als mit einer regulären Tätigkeit. «Sie helfen lediglich die Statistik zu verbessern.»
Auf die Frage, inwieweit sich die Arbeitsmarktreformen bis zu den geplanten Neuwahlen auswirken, verwies der Experte vor allem auf die Entwicklung der Ein-Euro-Jobs. «Bis zur Bundestagswahl ist die erste Tranche durch», gab Buscher zu Bedenken. «Die Ein-Euro-Jobs laufen nur sechs bis neun Monate. Eine Verlängerung ist nicht vorgesehen.» Vieles hänge davon ab, ob diejenigen bis dahin den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt geschafft hätten oder aber zurück in die Arbeitslosigkeit müssten.
«Schließlich wird der CDU von der Wirtschaft auch keine größere Kompetenz in Wirtschaftsfragen zugesprochen». Auch ihr Handlungsspielraum sei nicht besonders groß, so der IWH-Experte. Die Ankündigung von Neuwahlen könnte höchstens psychologische Effekte haben.

