netzeitung.deStudie: Ein-Euro-Jobs zum Teil zu hoch bezahlt

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Arbeitsagentur (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Langzeitarbeitslose können laut einer Studie mit Ein-Euro-Jobs auf Einkünfte kommen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum zu erzielen sind. Die Arbeitsmarktpolitik der BA gerate so in einen Widerspruch, heißt es.

Die so genannten Ein-Euro-Jobs sind zwar geeignet, Langzeitarbeitslosen einen Anreiz für die Aufnahme einer regulären Tätigkeit zu geben. Das gilt allerdings nach Berechnungen des zur Bundesagentur für Arbeit (BA) gehörenden Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nur für kleine Haushalte.

Die Höhe der erzielbaren Einnahmen aus Arbeitslosengeld II (ALG II) und Aufwandsentschädigung für eine Arbeitsgelegenheit summieren sich nämlich den IAB-Berechnungen zufolge auf ein Einkommen, das am ersten Arbeitsmarkt «unrealistisch» wäre, heißt es in der am Donnerstag in Nürnberg vorgestellten Studie.

ALG II als Quasi-Lohn zu hoch
Die BA hat für ihre Berechnungen vier Haushaltstypen betrachtet: einen Alleinstehenden, einen Alleinerziehenden mit Kind, ein Paar mit einem Verdiener und dasselbe Paar mit zwei Kindern. Für die Berechnung des maximal erzielbaren Einkommens wurden das ALG II, Unterkunftskosten und der nur vorübergehend gewährte Zuschlag zum ALG II addiert. So könnte dem IAB zufolge ein allein stehender Langzeitarbeitsloser Einnahmen von 662 bis 822 Euro erzielen. Der Vier-Personen-Haushalt kommt auf 1574 bis 2014 Euro.

Um ein solches Einkommen am Arbeitsmarkt zu erzielen, müssten Bruttostundenlöhne zwischen 3,70 bis 5,65 Euro erreicht werden. Der Lebenspartner mit Kindern müsste einen Stundenlohn von 4,80 bis 9,25 Euro haben, heißt es in der Institutsstudie.

Niedriglohnschwelle überschritten
Werde darüber hinaus ein Ein-Euro-Job ausgeübt, stiegen die Einnahmen auf 857 bis 1017 Euro beziehungsweise auf 1769 bis 2209 Euro. Das Institut ging allerdings von der Annahme aus, dass der Ein-Euro-Job mit 1,50 je Stunde entlohnt würde. Die so erzielbaren Einkünfte entsprächen Bruttolöhnen zwischen 6,10 und 8,10 beziehungsweise 6,35 und 10,90.

Tatsächlich liegt den IAB-Statistiken zufolge die Niedriglohnschwelle eines Arbeitnehmers mit einer 40-Stunden-Woche aber bei 9,40 Euro. Immerhin 17 Prozent aller vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer haben einen Stundenlohn, der unter der so definierten Schwelle liegt, heißt es. Langzeitarbeitslose mit Familie und einem Partner, der über kein Einkommen verfügt, aber auch Paare ohne eigenes Einkommen haben deshalb zum Teil schon ohne Einnahmen aus einem Ein-Euro-Job keinen Anreiz, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Stelle zu suchen.

Mehr vom Hinzuverdienst behalten
Das legt der Studie zufolge zwar den Gedanken nahe, dass die Entlohnung der so genannten Ein-Euro-Jobs sogar noch zu hoch liegt, führt die Arbeitsmarktpolitik der BA allerdings in einen Zielkonflikt: Würden die Ein-Euro-Jobs - wie geplant – auf 600.000 Arbeitsgelegenheiten ausgeweitet, könnten dadurch reguläre Stellen vernichtet werden. «Diese Gefahr wird umso größer, je günstiger die Arbeitsgelegenheiten für die Träger sind», heißt es. Würden hingegen die Ein-Euro-Jobs höher entlohnt, um gerade zu verhindern, dass Langzeitarbeitlose zu Billiglohnkräften mutieren, sinkt der Anreiz, eine reguläre Tätigkeit aufzunehmen. Denn am ersten Arbeitsmarkt könnten keine entsprechenden Einkünfte erzielt werden.

Der Ausweg liegt der Studie zufolge in einer großzügigeren Hinzuverdienstregelung. Bliebe einem Langzeitarbeitlosen von einem Zusatzjob deutlich mehr im Portemonnaie als bisher, stiege der Anreiz einen Zusatzjob zu suchen. Der auf dem Jobgipfel vereinbarte anrechnungsfreie Hinzuverdienst weise in die richtige Richtung.


Für das Web ediert von Markus Scheffler