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«Vorbereitung ist das A und O
des Bewerbungsgesprächs»

26. Mrz 2005 13:23
Viele Bewerber scheitern beim Vorstellungsgespräch an mangelnder Vorbereitung. «Das ist ein Kardinalfehler», sagte Bewerbungsexperte Jürgen Hesse der Netzeitung.

Von Michaela Duhr

Mehr als die Hälfte der Bewerber, die es bis zum Vorstellungsgespräch geschafft haben, sind auf das Gespräch nicht vorbereitet. «Mindestens 50 Prozent der Bewerber sind sich über die Bedeutung der Vorbereitung nicht bewusst», sagt der Bewerbungsexperte und Psychologe Jürgen Hesse der Netzeitung. Dabei hänge der Erfolg eines Gesprächs vor allem davon ab, dass sich der Bewerber mit der Frage auseinandersetzt, was er dem Unternehmen bringt. Deshalb solle er sich vor dem Gespräch über seine Botschaft und seine Ziele im Klaren sein.

Die meisten Leute stolpern nach Ansicht von Hesse in ein Interview, ohne sich mit den wichtigsten Argumenten befasst zu haben - ganz nach dem Motto: 'Ich kann hören. Ich kann sprechen. Ich werde schon irgendwie überzeugen'. «Die Aushilfsverkäuferin geht dann einfach ins Gespräch und ist schlecht vorbereitet», fügte er hinzu. «Dabei ist die Vorbereitung ein Ritual».

Doch nicht nur gering qualifizierte Bewerber sind unzureichend vorbereitet. Ähnlich Erfahrungen machte Personalberater Christian Weimar auch bei Führungskräften: «Es gibt immer wieder Bewerber, die nichts über das Unternehmen, die Branche oder die Konkurrenz wissen», sagte der Experte der Personalberatungsgesellschaft Kienbaum der Netzeitung. «Das ist schon fast ein K.-o.-Kriterium», warnt er. »Die Vorbereitung ist das A und O eines Gesprächs». Schließlich könne man sich heutzutage über das Internet einfach und schnell alle notwendigen Informationen über das Unternehmen beschaffen.

Drei zentrale Fragen

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Die Spielregeln eines Gesprächs müssen schon vorher durchdacht werden, rät Hesse. Doch viele ließen das Interview einfach auf sich zukommen. «Das ist ein Kardinalfehler», betont er. «Entscheidend ist, dass die Bewerber die drei Kernfragen kennen», sagt er weiter. Diese machten bereits 70 Prozent des Gesprächs aus.

«Die Hälfte des Gesprächs dreht sich um die Frage: 'Warum bewerben Sie sich bei uns?'», erläutert Hesse die Kernfragen. Damit wolle der Personalverantwortliche das Motiv für die Bewerbung ergründen. Die zweite zentrale Frage ziele darauf ab, herauszufinden, ob der Kandidat «wirklich der Richtige ist». Hier solle sich der Bewerber im Klaren darüber sein, welche «Botschaft» er mitbringt, wofür er steht und inwieweit das Unternehmen von ihm profitiert, betont Hesse.

«Eigenlob stinkt»

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Drittens wolle der Interviewer den Bewerber kennen lernen, fügt er hinzu. Deshalb laute die Aufforderung an den Bewerber, etwas von sich zu erzählen. Doch da geraten viele ins Stottern. Zahlreiche Bewerber können sich nicht angemessen positiv darstellen. «Leider haben wir durch falsche Erziehung gelernt, dass Eigenlob stinkt», bedauert der Bewerbungsexperte. Das lasse sich jedoch in Gesprächen mit Freunden und Partnern üben.

Andere redeten sich wiederum um «Kopf und Kragen», so die Erfahrung von Kienbaum-Experte Weimar. Sie antworten weitschweifig und beantworten Fragen, die nicht gestellt wurden. Er rät den Bewerbern, «authentisch zu sein». Wer eine Rolle spiele, komme nicht gut an. «Nur wer authentisch ist, wirkt», sagt Weimar.

Geld erst zum Schluss ansprechen

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Schwierigkeiten bereitet vielen Bewerbern auch das heikle Thema Geld: Manche Bewerber sprechen das Thema von sich aus an, sagt Weimar. Doch das erwecke den Eindruck, es gehe dem Bewerber nur ums Geld. Deshalb rät Weimar davon ab: «Da sollte man den Interviewer kommen lassen». Wenn dieser das Thema nicht auf den Tisch bringe, sollte man erst am Ende des Gesprächs auf die Gehaltsvorstellungen zu sprechen kommen. Andernfalls könne dies schon das Aus bedeuten, warnt der Personalexperte.

Auch beim Geld sollten die Kandidaten nach Ansicht von Hesse gut vobereitet sein: «Es ist gut, schon vorher zu wissen, was man haben will und was in der Branche bezahlt wird», betont er. «Wenn ich ein Auto kaufen will und der Verkäufer kann mir den Preis des Autos nicht nennen, dann hinterlässt das doch auch einen eigenartigen Eindruck». Außerdem empfiehlt er, beim Jahresgehalt eine Einkommenssspanne in Schritten von mehreren Tausend Euro zu nennen. Dies lasse dem Personalverantwortliche einen Spielraum, fügte er hinzu.

Keine letzte Zigarette

Eine große Rolle spielt auch das äußere Erscheinungsbild: Während dies für die meisten Bewerber selbstverständlich sei, gebe es doch immer wieder Überraschungen, zeigte sich Personalexperte Weimar erstaunt. «Tadellose Kleidung ist ein absolutes Muss», so der Personalexperte. Manche Frauen versuchten, ihre Attraktivität durch ein besonders tiefes Dekolleté oder starkes Make-up zu unterstreichen. Davon rät Weimar unbedingt ab. Außerdem sollten Bewerberinnen auf ein aufdringliches Parfum verzichten.

Einige Kandidaten erscheinen völlig abgehetzt und verschwitzt zum Interview-Termin, weiß Weimar aus Erfahrung. Auch das hinterlasse einen schlechten Eindruck. Man sollte deshalb genügend Zeit einplanen. Rauchern empfiehlt er, auf die letzte Zigarette vor dem Gespräch trotz Nervosität zu verzichten. «Trifft ein Bewerber rauchgetränkt auf einen aggressiven Nichtraucher, hat er verloren.»

Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader
Praxismappe für das überzeugende Vorstellungsgespräch
Frankfurt am Main: Eichborn 2003
128 Seiten, 15,90 Euro

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