15. Mrz 2005 10:39
Geringverdiener in Deutschland haben laut einer Studie europaweit die geringsten Aufstiegschancen in eine höhere Lohngruppe. Die Forscher sehen in der Ausweitung des Niedriglohnsektors die Gefahr zunehmender Armut.
Die Aufstiegschancen von Geringverdienern in einer höhere Lohngruppe sind in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren deutlich gesunken und erheblich geringer als in anderen europäischen Ländern. Das ergab eine jetzt veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Während im Zeitraum von 1986 bis 1991 mehr als die Hälfte der Geringverdiener die Niedriglohnschwelle habe überschreiten können, sei dies zwischen 1996 und 2001 nurmehr einem guten Drittel geglückt, hieß es.Einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und zusammenarbeit (OECD) zufolge lag die Aufstiegswahrscheinlichkeit von westdeutschen Geringverdienern im Zeitraum von 1986 bis 1991 noch ungefähr im EU-Durchschnitt. Die EU wiederholte eine ähnliche Analyse für die zwölf Mitgliedstaaten für die Jahre 1995 bis 2001 und stellte fest, dass Deutschland inzwischen Schlusslicht sei. Die Studien setzen die Niedriglohnschwelle bei zwei Dritteln des nationalen Medianlohns an. Nach dieser Definition galten im Jahr 2001 in Deutschland Beschäftigte mit Brutto-Arbeitseinkommen von weniger als 1630 Euro als Geringverdiener.
Der Anteil der Geringverdiener an den Vollzeit-Beschäftigten ist der Studie des IAB zufolge seit Ende der 90er Jahre gestiegen. Während 1996 nur knapp 16 Prozent der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in Deutschland dem Niedriglohnbereich zuzuordnen waren, lag die Quote im Jahr 2001 bereits bei 17,4 Prozent. Damit liege die Größe des deutschen Niedriglohnsektors seit Ende der 90er Jahre leicht über dem EU-Durchschnitt, hieß es weiter. Überrepräsentiert seien Frauen und Ostdeutsche.Angesichts der abnehmenden Chancen auf einen Lohn-Aufstieg warnten die IAB-Forscher vor einem wachsenden Risiko der Niedriglohnarmut in Deutschland. Der Niedriglohnsektor könne für viele Betroffene zur «Niedriglohnfalle» werden, hieß es.