16. Feb 2005 15:41
Nicht immer ist eine Ich-AG Pleite gegangen, wenn die Förderung eingestellt wird. Viele Abbrecher finden einer Studie zufolge einen neuen Job, auf manchen lasten aber auch hohe Schulden.
Gut die Hälfte der gescheiterten Ich-AG-Gründer ist nach dem Aus der Förderung wieder arbeitslos. Das geht aus einer Studie hervor, mit der das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ein erstes Fazit des 2003 im Rahmen der Hartz-Reformen geschaffenen arbeitsmarktpolitischen Instruments zog. Allerdings habe auch ein Drittel der Ich-AG-Abbrecher inzwischen einen festen Arbeitsplatz gefunden, hieß es in dem am Mittwoch in Nürnberg vorgestellten Papier.Die Untersuchung beruht allerdings auf einer sehr dünnen Datengrundlage. Insgesamt wurden die Angaben von 643 Abbrechern ausgewertet. Der Studie zufolge werden von den insgesamt rund 268.000 staatlich geförderten Ich-AGs inzwischen rund 18 Prozent nicht mehr unterstützt. Das bedeute aber keinesfalls, dass dieses knappe Fünftel komplett gescheitert sei, betonte der Autor der Studie, Frank Wießner, im Gespräch mit der Netzeitung. So würden etwa Anschlussanträge auf Weiterförderung vielfach erst später gestellt, so dass sich eine Erfassungslücke ergebe. Rund 4,5 Prozent aller nicht mehr Geförderten führt außerdem die Selbstständigkeit ohne staatliche Unterstützung weiter.
Zudem sei «immerhin jede dritte Aufgabe der beruflichen Selbstständigkeit mit dem Wechsel in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verbunden», sagte der Forscher des zur Bundesagentur für Arbeit (BA) gehörenden IAB. Dabei sei nicht immer klar, ob das reguläre Arbeitsplatzangebot Auslöser für das Ende der Ich-AG gewesen sei oder umgekehrt nach dem Aus der Förderung ein fester Job angenommen wurde.IAB-Gründungsexperte Wießner betonte, dass sich Erfolg oder Misserfolg der Ich-AG-Förderung «heute noch nicht seriös beurteilen» lasse. Schließlich betrage die Förderungshöchstdauer drei Jahre, so dass noch einige Firmen gefördert werden, die bereits von Anfang an im Programm dabei waren. Seine Studie über Abbrecher erhelle aber «einige Teilgeschehen des Gründergeschehens». So habe er etwa herausgefunden, dass ein Drittel der Abbrecher Schulden aus der Ich-AG-Gründung haben. Bei drei Viertel von ihnen liegen sie demnach aber unter 5000 Euro.
Wießner empfahl daher, zumindest die Geschäftsidee «zu verschriftlichen». Dann nämlich könnten Gründer einen Überblick über ihre laufenden Kosten gewinnen, die eine Einschätzung über Erfolg und Misserfolg der Gründung ermöglichten. Dadurch könne verhindert werden, dass sich Gründer in ein «Abenteuer» stürzen.Ein zentrales Problem für die neuen Unternehmen ist laut der Studie das schlechte Marketing. Die Gewinnung neuer Kunden und Aufträge sowie die Durchdringung des Marktes seien «die größte Hürde für alle Newcomer», heißt es in der Studie. Fast so schwer wiegend seien Finanzierungsprobleme: Da die Ich-AG-Gründer aus der Arbeitslosigkeit heraus starteten, gebe es über das normale Maß hinaus Schwierigkeiten bei der Aufnahme von Fremdkapital in Form von Darlehen. (nz)