netzeitung.deBA dementiert frühzeitiges Wissen um Kostenexplosion bei Online-Jobbörse

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Führende Manager der Bundesagentur für Arbeit wussten laut einem Bericht schon im Sommer 2003, dass die Kosten für die Online-Jobbörse kräftig steigen würden. Die BA bestreitet das.

Dass die Kosten bei der Online-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA) deutlich steigen würden, wussten führende Manager der Agentur angeblich schon im Sommer vergangenen Jahres. «Im August 2003 wurde bekannt, dass die Jobbörse 114,6 Millionen Euro kosten würde», zitierte die Tageszeitung «Die Welt» am Samstag einen hochrangigen BA-Mitarbeiter. «Seit dem 27. August 2003 ist aktenkundig, wer alles davon wusste. Dazu zählt nicht nur Herr Alt.» Damit benannte der Mitarbeiter den BA-Vorstand Heinrich Alt.

Der Informant ergänzte, er sage aber nicht, dass BA-Chef Frank-Jürgen Weise diese Zahlen bekannt waren. Die BA wies den Bericht zurück. Der Behörde sei erst im Dezember die Kostensteigerung von 65 Millionen auf 77 Millionen Euro für die Stellenbörse sowie die Neuausrichtung des BA-internen IT-Systems für Vermittlung und Beratung bekannt geworden, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP.

Der «Virtuelle Arbeitsmarkt» der Bundesagentur war in den vergangenen Tagen wegen der Kostenexplosion in die Kritik geraten. Das Projekt droht bis zu 165 Millionen Euro teuer zu werden. Die BA-Sprecherin erläuterte, die seit zwei Wochen vorliegende Risiko-Kostenanalyse beziffere den Finanzbedarf auf bis zu 125 Millionen Euro, zuzüglich 40 Millionen Euro für das Datennetz der BA.

65 Millionen waren «nur die Karosserie»
Wie die «Welt» weiter berichtete, war nach Angaben des BA-Mitarbeiters «von vornherein» bekannt, dass die 65 Millionen Euro «nur die Karosserie» seien. «Die Räder, das Lenkrad, die Sitze, das muss alles noch rangebaut werden. Das sollte aber alles erst im Feinkonzept entstehen.»

Diese Einschätzung teilt Holger Bill, der für das Projekt zuständige Geschäftsführer der IT-Firma Accenture. Dem «Tagesspiegel» vom Samstag sagte Bill, beim Vertragsabschluss für das Online-Portal habe das Auftragsvolumen 65 Millionen Euro betragen. Damals seien allerdings die Auswirkungen der Harz-Reformen nicht absehbar gewesen. Laut Bill war von Anfang an klar, dass 65 Millionen Euro nicht ausreichen würden.

«Toll Collect der Bundesagentur»
Bill ergänzte, für alles, was Accenture angeboten und geliefert habe, seien die Preise bekannt gewesen. Die nächste Stufe der Internetplattform solle wie geplant im Mai starten. Damit widersprach Bill der BA. Die Behörde will prüfen, ob der Ausbau der Internet-Jobbörse zunächst abgeblasen oder neu ausgeschrieben wird. Accenture hatte am Freitag Vorwürfe zurückgewiesen, mit unlauteren Methoden den BA-Auftrag erhalten zu haben.

BA-Verwaltungsratsmitglied Jürgen Heike forderte derweil die Staatsanwaltschaft auf, in vollem Umfang Ermittlungen einzuleiten. «Hier geht es nicht um Peanuts, das ist das Toll Collect der Bundesagentur», sagte der bayerische Arbeits-Staatssekretär. (nz)