Ich-AGs sind «nett aber windig»
25.07.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Die neuen Arbeitsmarkt-Instrumente, die mit den Hartz-Gesetzen geschaffen wurden, bringen nach Ansicht eines Experten keine Entlastung auf dem Arbeitsmarkt. «Sie sind falsch konstruiert, schaffen keine Arbeitsplätze, und im schlimmsten Fall geben sie noch Fehlanreize», sagt Herbert Buscher, Leiter der Forschungs-Abteilung Arbeitsmarkt vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) der Netzeitung.
Die Personal-Service-Agenturen (PSA) seien beispielsweise in sich schon eigenwillig konstruiert: «Wo keine Jobs sind, kann auch nicht vermittelt werden», sagt Buscher. «Die Arbeitslosen werden in die PSA abgeschoben, und dort sitzen sie dann rum.»
Die PSA sind von den Arbeitsämtern eingerichtete und subventionierte, aber von Dritten betriebene Zeitarbeitsfirmen. Arbeitslose werden von den Arbeitsämtern für die PSA vorgeschlagen. Dies sei zwar eine elegante Art, Arbeitslose loszuwerden. Aber Beschäftigung entstehe dadurch nicht, erklärt Buscher. «Das Arbeitsamt tut nichts, und trotzdem soll die Arbeitslosigkeit abnehmen auf den Punkt gebracht ist das die PSA.»
Die BVG wollte rund hundert Busfahrer entlassen und machte diesen das Angebot, als Ich-AG wieder zurückzukommen. Nur einer habe das Angebot annehmen wollen. «Die Alleinunternehmer machen dieselbe Arbeit zu schlechteren Konditionen, und das Ganze geschieht auf Einladung des Staates. Das ist der Kern der Ich-AG. Und nur damit das nicht auffliegt, sind die Arbeitsämter gehalten, die Prüfung auf Scheinselbständigkeit auszusetzen.»
Und die neuerliche Reform, nach der eine Ich-AG auch Angestellte haben kann, die nicht zur Familie gehören, sei ebenfalls trügerisch: «Den Mitarbeiter muss sich der Alleinunternehmer erst einmal leisten können.»
Auch die Minijobs haben nach Ansicht von Buscher bisher wenig gebracht. Minijobber sind geringfügig Beschäftigte, die seit April abgabenfrei bis zu 400 Euro verdienen können, während der Arbeitgeber pauschal 25 Prozent für Sozialabgaben und Steuern abführt. «Wenn es stimmt, wie die Bundesregierung stolz behauptet, dass fast eine Million neue Minijobs entstanden sei, dann müsste die Beschäftigungsquote gestiegen sein. Aber das ist nicht der Fall.»
Auch das Programm «Kapital für Arbeit», den so genannten Job-Floater, lässt Buscher nicht gelten. Der Job-Floater ist ein zinsgünstiger Kredit für Firmen, die einen Arbeitslosen einstellen. Voraussetzung für den Kredit ist aber eine Bonitätsprüfung durch die Hausbank.
«Der Job-Floater war für den Osten gedacht und sollte auf die spezifische Eigenkapital-Situation zugeschnitten werden.» Aber das sei gründlich gescheitert, meint Buscher: «Die meisten Job-Floater-Kredite gehen in den Westen, denn die Kapitalbasis der ostdeutschen Betriebe ist zu gering. Die Betriebe scheitern schon an der Hausbank, die ihnen die nötige Bonität nicht bescheinigen will.» Damit habe der Job-Floater für Ostdeutschland nichts gebracht.
Aber ein Gutes habe der Job-Floater dann doch: «Mit ihm lassen sich mittlerweile Lehrlinge bezahlen, die ansonsten wohl keine Arbeit gefunden hätten.»

