29.01.2010
Herausgeber: netzeitung.de
Nicht die klassische deutsche Arbeit: Ein Verkaufsjob in der Schnellgastronomie
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Vollzeit, Jahrzehnte bei einer Firma, gutes Gehalt, üppige Zusatzleistungen - das war einmal. Deutschlands Berufswelt steckt mitten im Strukturwandel, erklärt der Chef der Bundesagentur für Arbeit.
Deutschland steckt nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, inmitten eines umfangreichen Strukturwandels. «Es gibt einen Wandel von langen Berufskarrieren bei einer Firma, von gut bezahlten Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe in Vollzeit hin zu niedriger bezahlten Jobs im Dienstleistungsgewerbe, von Vollzeit zu Teilzeit», sagte Weise in einem Gespräch mit APD.
Die Wirtschaftskrise habe diese Veränderungen noch verstärkt. So sei die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen aktuellen Daten vom September zufolge binnen Jahresfrist um 420.000 zurückgegangen, während die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs gleichzeitig um 220.000 anstieg. Berufskarrieren von 40 Jahren im gleichen Betrieb, mit regelmäßigen Lohnerhöhungen gehörten bereits der Vergangenheit an. «Auf diese Strukturveränderungen müssen wir uns einstellen», sagte Weise. Diese Entwicklung finde weltweit statt. «Wir können uns nicht dagegen stemmen».
Die Kunst der AnpassungWeise geht davon aus, dass der Scheitelpunkt der Arbeitslosigkeit zur Jahreswende 2010/2011 erreicht sein wird. «Wenn das der Fall ist, wird eine gute Entwicklung eigentlich erst 2012, eher 2013 spürbar sein», betonte der Behördenchef. Hierfür spreche, dass in einem Aufschwung zunächst die gegenwärtig in Anspruch genommene Kurzarbeit beendet, Überstunden aufgebaut und die Arbeitszeit wieder verlängert würden. «Bis es dann wieder zu Einstellungen kommt, wird es dauern», sagte Weise. In den stark von Kurzarbeit betroffenen Branchen wie dem Automobil- und Anlagenbau werde dieser Zustand keine vorübergehende Störung, sondern eine wirkliche Strukturveränderung sein. «Die Kunst ist, sich daran anzupassen», sagte Weise.
Die BA könne dabei helfen, indem sie Arbeitnehmern erkläre, dass es keinen Sinn mache, in überholten Berufskarrieren zu denken. Sie müssten sich darauf einstellen, drei- oder viermal im Leben den Beruf zu wechseln. Notwendig sei nicht nur Flexibilität, sondern auch Mobilität. «Denn die Unterschiede in den Regionen sind immer noch sehr groß», sagte Weise.
Zur Not in eine andere Region ziehenDas gelte auch für junge Menschen und hier vor allem für Männer unter 25 Jahren, die die Krise am stärksten zu spüren bekommen. In dieser Gruppe sei die Arbeitslosigkeit binnen Jahresfrist um 19 Prozent gestiegen. «Firmen, die entlassen oder Kurzarbeit haben, stellen in der Regel nicht ein», sagte Weise. Junge Menschen bekämen daher überhaupt nur eine geringe Chance, in einem Beruf Fuß zu fassen. Ihnen rät der Behördenchef, zur Not in eine andere Region zu ziehen, oder auch in einer anderen Branche zu arbeiten. Möglicherweise bedeute dies auch, für weniger Gehalt als erwartet zu arbeiten.
Ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland sieht der BA-Chef im Strukturwandel nicht. «Wir bleiben wettbewerbsfähig, wenn die Schlüsseltechnologien betriebswirtschaftlich erfolgreich bleiben und mit Gewinn arbeiten», sagt er. Allerdings werde die Zahl der Mitarbeiter in diesen Branchen unter dem Niveau der Boomjahre 2005/2006 bleiben und zwar auf nicht absehbare Zeit. (nz/APD)